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Reformationsstadt Banská Bystrica

Slowakei

Banská Bystrica

Bekenntnis im Gebirge

Die slowakische Stadt Banská Bystrica (deutsch: Neusohl, ungarisch: Besztercebánya) liegt in der Landesmitte in einem Talkessel, umgeben von einer Gebirgslandschaft. Das historische Zentrum verfügt über wertvolle kunsthistorische Baudenkmäler.
Die im Mittelalter überwiegend von Deutschen besiedelte Stadt verdankte ihren Reichtum dem Bergbau. Schwerpunkt der montanen Industrie war der Abbau von Kupfererzen. An der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert betrieben die Familien Thurzó und Fugger ein Handelsunternehmen, das enorme Gewinne erbrachte und eine beachtliche Bautätigkeit zur Folge hatte, aber auch zu sozialen Konflikten führte. Sie lösten einen Grubenaufstand aus (1525), der sich über das ganze mittelslowakische Gebiet ausbreitete, aber niedergeschlagen wurde.
Den Nährboden für die Reformation bildeten in dieser Region der Einfluss aus Humanismus und Renaissance. Hinzu kam die Nähe zu der Universität in Krakau und Schlesien, die den frühen Einfluss der Wittenberger Bewegung auf das deutsche Bürgertum in den Städten Ungarns begünstigten. Die Reformation erfasste zuerst die Städte mit ihrer deutschen Bevölkerung, griff erst später auf die slowakische und magyarische Ethnie über.
Eine wichtige Voraussetzung für das Ausbreiten der Reformation waren vor allem auch die nach der Schlacht bei Mohács 1526 einsetzenden und bis 1540 währenden Thronwirren. Denn zwei Thronprätendenten reklamierten die ungarische Krone für sich, Ferdinand von Österreich, der Bruder des Kaisers, der mit der Schwester des letzten Jagiellonenkönigs Ludwig, mit Anna von Böhmen verheiratet war, und der siebenbürgische Woiwode Johann Zápolya. Beide wurden zum König gewählt und auch mit derselben Krone gekrönt. Beide lehnten die religiösen Neuerungen ab, waren aber im Krieg um die Thronfolge auf die Unterstützung des Adels und der Städte angewiesen und konnten deshalb nicht wirkungsvoll durchgreifen.
Schließlich ist auch noch auf die aus fiskalischen Gründen verlängerte Sedisvakanz zahlreicher Bistümer hinzuweisen, mit der eine weitgehende Säkularisierung des Kirchengutes einherging.
Die Reformation im Karpatenraum war zuerst ein städtisches Ereignis. Es waren die deutschen Städte in der Zips und die Bergstädte, in denen schon zu Beginn der 20er-Jahre des 16. Jahrhunderts die Wittenberger Neuerungen bekannt wurden. Auch wenn authentische Daten über das erste Auftauchen von Lutherschriften fehlen, darf angenommen werden, dass Kaufleute und Studenten schon seit 1518 Drucke und Flugschriften aus Wittenberg, Leipzig oder Breslau mitgebracht haben. Bereits zum Jahreswechsel 1517/18 waren Luthers 95 Reformationsthesen in Ostmitteleuropa bekannt und wurden gelesen und diskutiert. Deshalb sah sich ja auch der Graner Erzbischof veranlasst, die Bannandrohungsbulle gegen Luther Exsurge Domini (15.6.1520) von allen Kanzeln verlesen zu lassen.
In den mittelslowakischen Bergstädten, zu denen auch Banská Štiavnica/Schemnitz und Kremnica/Kremnitz gehörten, fanden schon zu Beginn der 20er Jahre des 16. Jahrhunderts die lutherischen Gedanken zur Kirchenerneuerung Verbreitung. In Neusohl fasste die Reformation 1523 Fuß, um bis 1539 alle Kirchen der Stadt zu erfassen. Der Ort bildete zusammen mit sechs weiteren Bergstädten ein Städtebund. In diesem Bund aus insgesamt sieben Städten wurde die Entscheidung für die lutherische Reformation durch eine eigene Bekenntnisschrift zur Confessio Augustana bekräftigt, der sogenannten Confessio Montana/heptopolitana aus dem Jahr 1559. Die Städte wollten damit zum Ausdruck bringen, dass sie nicht irgendeiner ihnen unterstellten Ketzerei anhängen, sondern der maßgeblichen lutherischen Bekenntnisschrift folgen, die Philipp Melanchthon 1530 abgefasst hatte und die 1555 auch reichsrechtlich anerkannt wurde.
Nach 1620 fiel die Stadt im Zuge der Gegenreformation an die römisch-katholische Kirche zurück. Von den späteren Rektoren der Schule ist vornehmlich Mathias Bel (1684-1749) zu nennen, ein Polyhistor, der dem Pietismus in Ungarn den Weg ebnete. Bel hatte in Halle studiert, wo August Hermann Francke auf ihn aufmerksam wurde und ihn als Lehrer in seiner Armenschule engagierte. 1708 erhielt er den Ruf als Schuldirektor in Neusohl. Weithin bekannt wurde er durch seine Übersetzungen des Neuen Testaments und anderer Schriften in die tschechische Nationalsprache. Mit 30 Jahren führte ihn sein Weg nach Preßburg, wo er sich dauerhaft niederließ. In Banská Bystrica ist die Matej-Bel-Universität nach ihm benannt.

Ján Nosko

Bürgermeister, Banská Bystrica

Links

Stadt Banská Bystrica: www.banskabystrica.sk

Evanjelická Cirkev augsburského vyznania na Slovensku: www.evangelische.sk