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Reformationsstadt Basel

Schweiz

Basel

Reformationsgeschichte vom 15. ins 21. Jahrhundert: GEKE- Vollversammlung Basel 2018

Eingebettet zwischen dem schweizerischen Jura, dem badischen Schwarzwald und den Vogesen im Elsass liegt an beiden Ufern des Rheins die schweizerische Stadt Basel. Sie ist damit Zentrum des Dreiländerecks Frankreich, Deutschland und Schweiz. Diese exponierte geographische Lage gab der Stadt immer schon eine hervorgehobene Position. Basel ist ein europäischer Verkehrsknotenpunkt und eines der bedeutendsten Zentren für pharmazeutische Betriebe weltweit.
Im 15. Jahrhundert kam die Stadt zu einer ersten Blüte: Von 1431 bis 1449 tagte hier das Konzil von Basel. Die Papierfabrikation und der Buchdruck wurden eingeführt und durch päpstliches Privileg wurde in Basel 1460 die erste Universität auf dem Gebiet der heutigen Schweiz gegründet. Der kulturelle Aufschwung blieb nicht aus und Basel zog Persönlichkeiten, wie den Arzt Paracelsus, den Juristen Sebastian Brant, den Maler Hans Holbein d.J. und den Humanisten Erasmus von Rotterdam an. Letzterer veröffentlichte hier 1516 die erste gedruckte Ausgabe des griechischen Neuen Testaments mit einer von ihm angefertigten lateinischen Übersetzung. Die zweite Auflage dieses Werkes von 1519 wurde die Grundlage für verschiedene reformatorische Bibelübersetzungen, wie der Übersetzung Martin Luthers ins Deutsche oder ins Englische durch William Tyndale oder die Übersetzer der King-James-Version.
Ein Mitarbeiter des Erasmus war in den Jahren 1515/16 Johannes Oekolampad (1482-1531). Nachdem er mit den Gedanken der Reformation in Kontakt gekommen war und sich daraufhin über mehrere Jahre an verschiedenen Stätten mit der reformatorischen Lehre auseinandergesetzt hatte, ließ er sich 1522 endgültig in Basel nieder und wurde als Professor und Pfarrer der prägende Reformator der Stadt. 1525 feierte er das erste evangelische Abendmahl, 1526 erschien seine evangelische Gottesdienstordnung für die Stadt und 1528 heiratete der zum Priester geweihte Oekolampad Wibrandis Rosenblatt, die nach seinem Tod zunächst den Straßburger Reformator Wolfgang Capito und dann den Reformator Martin Bucer heiratete. Diese familiären Verbindungen geben Auskunft darüber, wie eng das Netzwerk der einzelnen Reformatoren war. Oekolampad nahm an zahlreichen internationalen Religionsgesprächen und Disputationen der Reformationszeit teil. Doch in Basel selbst nahm die Reformation eine etwas andere Wendung. Der Rat der Stadt erlaubte in der Bischofsstadt zwar den Anhängern der neuen Lehre die freie Religionsausübung, doch erst, als an Fastnacht 1529 die Bevölkerung einen Bildersturm begann, der sich zu großen Unruhen auswuchs, führte der Rat der Stadt auf Drängen der Handwerkszünfte die Reformation ein. Der altgläubige Bürgermeister und das Domkapitel verließen die Stadt, das Basler Münster als bisherige Bischofskirche wurde evangelisch. Nach und nach erwarb die Stadt auch formal alle bischöflichen Hoheitsrechte und wurde so unabhängig. 1535 fand Johannes Calvin auf seiner Flucht aus Frankreich Zuflucht in Basel und verfasste hier seine Institutio Christianae religionis (= Unterricht in der christlichen Religion), eine Schrift, die aufweisen sollte, dass der evangelische Glaube der wahren Kirche entspricht. Im Jahr darauf wurde dieses grundlegende Werk in Basel gedruckt.
Basel war als Reformationsstadt eine Drehscheibe für die Entwicklungen in Deutschland, Frankreich und der Schweiz. So passt es gut, dass im Jahr 2018 in Basel die Vollversammlung der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa stattfinden wird – in den Örtlichkeiten des Basler Münsters und des Bischofshofs.

Durch die Papierindustrie, den Buchdruck und die Verlage wurde unsere Stadt zu Anziehungspunkt der Humanisten. 2016 werden im Historischen Museum Basel, im Kunstmuseum und im Münster Ausstellungen zu Erasmus und seinem reformatorischen Impuls stattfinden. 1529 hat sich in Basel die Reformation durchgesetzt. 1536 suchte Calvin in Basel Zuflucht und publizierte seine „Institutio“. Basel kann man also zweifellos eine Reformationsstadt nennen. Dr. Guy Morin

Regierungspräsident des Kantons Basel-Stadt, Stadt Basel

Übrigens … Hans Holbein d.J. hat den antireformatorischen Basler Bürgermeister Jakob Meyer zum Hasen, der 1529 Basel verließ, in der „Darmstädter Madonna“ verewigt. Das Gemälde ist in der Europäischen Reformationsstadt Schwäbisch Hall zu bewundern.

Links

Stadt Basel http://www.bs.ch/
Touristeninformation http://www.basel.com/de
Evangelisch-reformierte Kirche Basel-Stadt http://www.erk-bs.ch/
Schweizerischer Evangelischer Kirchenbund www.kirchenbund.ch/de