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Reformationsstadt Bernburg a.d. Saale

Deutschland

Bernburg a.d. Saale

Wo selbst der Fürst durch die enge Pforte passt

Die Stadt Bernburg (Saale) liegt im Herzen Sachsen-Anhalts zwischen Magdeburg und Halle. Erstmals wurde die ehemalige Residenzstadt in Anhalt im Jahre 961 urkundlich erwähnt.
Die Reformationsgeschichte Bernburgs ist eng mit dem Wirken von Fürst Wolfgang von Anhalt-Köthen (1492 – 1566) verbunden, der mit sechzehn Jahren im Jahr 1508 die Regierungsgeschäfte übernahm. Auf dem Reichstag zu Worms lernte er 1521 Martin Luther kennen und ließ 1525 die Reformation im Landesteil Köthen und 1526 im Landesteil Bernburg einführen, indem er in der Marienkirche das Abendmahl evangelisch unter beiderlei Gestalt feierte. Damit zählte Bernburg zu den ersten evangelischen Territorien im Reich. Fürst Wolfgang vertrat die Interessen der evangelischen Stände, trat dem Torgauer Bund und dem Schmalkaldischen Bund bei und zählte zu den sechs fürstlichen Wortführern der Protestatio auf dem Reichstag zu Speyer 1529. Auf dem Reichstag zu Augsburg unterzeichnete er 1530 die Confessio Augustana.
Das Museum Schloss Bernburg besitzt eine der ältesten und wertvollsten Ausgaben von Luthers Werken. Von den ursprünglich zwölf Bänden der Ausgabe aus den Jahren 1548 bis 1583 sind heute noch 10 Bände vorhanden und befinden sich in einem guten Erhaltungszustand. Band II ist heute zweifellos der wertvollste des gesamten Bestandes. Er wurde 1548 von Hans Lufft, einem der ersten Wittenberger Bibeldrucker und Buchhändler, hergestellt.
Als einzigartiges steinernes Denkmal der Fürstenreformation schmücken Halbreliefs deutscher Fürsten die Runderker des Bernburger Schlosses – genannt „Die Leuchte“. Fürst Wolfgang von Anhalt-Köthen beauftragte den nordböhmischen Baumeister Andreas Günther damit, die Erker des Langhauses zu errichten. Er ließ nicht nur sich selbst abbilden, sondern auch den sächsischen Kurfürsten Johann Friedrich den Großmütigen, Fürst Georg III. von Anhalt-Dessau, Fürst Joachim von Anhalt, Johann Ernst von Sachsen-Coburg, Herzog Philipp von Braunschweig, Kurfürst Joachim II. von Brandenburg und aus Loyalität neben all den evangelischen Fürsten den katholischen Kaiser Karl V. Die Original-Reliefs werden im Lapidarium des Museum Schloss Bernburg aufbewahrt. Derzeit wird die „Leuchte“ restauriert, um im Jubiläumsjahr 2017 bewundert werden zu können.
Im Jahr 2008 errichtete die Stadt Bernburg (Saale) im Kurpark eine Edelstahlstele, welche auf die Legende der „Wolfgangspforte“ hinweist. In der Schlacht bei Mühlberg verloren die Protestanten 1547 den Schmalkaldischen Krieg. Fürst Wolfgang zählte zu den Besiegten und so wurde Bernburg besetzt. Der Fürst selbst soll durch eine Fluchttür im Servitenkloster aus der Stadt geflohen sein. Bei Umbauten des Klostergebäudes zu DDR-Zeiten wurde die Pforte zugemauert und kann auch heute nicht mehr freigelegt werden. Nur die Stele und leichte Umrisse im Mauerwerk weisen noch auf die Historie der „Wolfgangspforte“ an der Südseite des Klosters im heutigen Kurpark hin.
Die Stadt Bernburg (Saale) ist von Beginn an ein wichtiger Ort auf dem Lutherweg in Sachsen-Anhalt. Seit 2013 ist die Stadt Mitglied der Lutherweg-Gesellschaft. Am 18. Mai 2017 ist Bernburg die letzte Station auf dem Europäischen Stationenweg vor der Lutherstadt Wittenberg.

Links

Stadt Bernburg (Saale) www.bernburg.de
Tourismusbüro Bernburg www.bernburger-freizeit.de
Kirchenkreis Bernburg www.landeskirche-anhalts.de/gemeinden/bernburg
Evangelische Landeskirche Anhalts www.landeskirche-anhalts.de