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Reformationsstadt Bremen

Deutschland

Bremen

Schließt den Dom, es kommt die Reformation!

Die Stadt Bremen liegt in Norddeutschland an der Weser, ungefähr 60 Kilometer bevor der Fluss bei Bremerhaven in die Nordsee mündet. Beide Städte bilden zusammen das kleine Bundesland Freie Hansestadt Bremen.
Die freie Reichsstadt Bremen erfuhr im Mittelalter als Bündnispartner in der Hanse einen wirtschaftlichen Aufschwung. Im Zuge dessen gelang es der Bürgerschaft, sich teilweise von der Herrschaft des Bistums Bremen zu befreien. Zeichen solchen Selbstbewusstseins sind die Rolandstatue (1404) und das Rathaus (1409) auf dem Marktplatz, die beide zum UNESCO-Weltkulturerbe zählen.
In Bremen kam es sehr früh zu einer reformatorischen Bewegung. Eine führende Rolle zur Ausbreitung der Bewegung nahm der niederländische Augustinermönch Heinrich von Zütphen ein. Er hielt im November 1522 in der St.-Ansgarii-Kirche die erste evangelische Predigt.
Der katholische Erzbischof Christoph von Braunschweig-Wolfenbüttel, war entschiedener Gegner der Reformation und forderte die sofortige Auslieferung des Mönches. Der Rat der Stadt stellte sich allerdings hinter von Zütphen und wies die gegen die lutherische Predigt agitierenden Dominikaner des Katharinenklosters aus der Stadt aus. Durch diese kirchenpolitische Maßnahme war der Weg zur Durchsetzung der Reformation gebahnt.
In den Jahren 1524 und 1525 beriefen die Bremer Stadtkirchen mit Unterstützung des Rates weitere evangelische Prediger. Die Feier der traditionellen lateinischen Messe wurde den Pfarrkirchen in der Stadt 1525 verboten. Dieses Verbot wurde 1527 auch für die Pfarrkirchen im Landgebiet in Geltung gesetzt und 1528 schließlich auch für die Bremer Klöster. In der Folge wurde das Dominikanerkloster zur Lateinschule und das Franziskanerkloster wenig später mit Einverständnis der Mönche zum Hospital. Zur Fürsorge für Arme und Notleidende wurden die heute noch bestehenden diakonischen Einrichtungen gegründet.
Die Jahre 1530 bis 1532 waren von sozialen und religiösen Konflikten gekennzeichnet. 1532 wurde der St. Petri-Dom vom Domkapitel für 15 Jahre geschlossen, nachdem gegen Widerstand des katholischen Erzbischofs in einem „Aufstand der 104 Männer“ die Einführung des lutherischen Gottesdienstes erzwungen worden war.
1534 führte der Rat eine von Luther genehmigte Kirchenordnung für Bremen ein. 1547 wurde auf Drängen des Rates der erste evangelische Prediger, Albert Rizäus Hardenberg, an den Dom berufen. Dieser tendierte jedoch zur reformierten Konfession und wurde der Stadt verwiesen. Das verschärfte den Identitätsdruck auf das Luthertum und führte zur ständigen Zunahme der lutherisch-reformierten Auseinandersetzungen.
Nach und nach wandten sich viele einflussreiche Kaufleute dem reformierten Glauben zu, und 1561 ging die Kontrolle über die Stadt, begleitet von innerprotestantischen Konflikten, in die Hände der Reformierten über.
Aber die aristokratischen Stiftsherren des Doms blieben treue Lutheraner und der daraus resultierende Konflikt zwischen Stadtrat und Domkapitel endete mit der erneuten Schließung des Doms für die Gläubigen, die – diesmal vom Rat der Stadt verfügt – 77 Jahre andauern sollte.
Mit der Ankunft des hessischen Predigers Christoph Pezelius begann in Bremen mit tatkräftiger Unterstützung des Bürgermeisters Daniel von Büren die sogenannte „zweite Reformation“. Er setzte 1582 die Demolierung oder Entfernung aller Bildwerke aus den stadtbremischen Kirchen durch und etablierte eine moderat reformierte Lehre, die sich immer als vermittelnd hin zu den Lutheranern verstand. Der Bremer Rat, der 1580 das Kirchenregiment übernommen hatte, führte um 1600 den Heidelberger Katechismus ein. Mit dem 1610 gegründeten Gymnasium illustre bekommt Bremen, als reformierte und vom lutherischen Niedersachsen umgebene Stadt, eine streng reformierte Hochschule.
Bremen wurde auch zur Dordrechter Synode eingeladen, auf der 1618/19 die Reformierten die rechtmäßige Interpretation der calvinistischen Prädestinationslehre festlegten. Die drei Bremer Deputierten aber wurden vom Rat auf das Augsburger Bekenntnis verpflichtet. So wurde Bremen eine Besonderheit im europäischen Kirchenwesen, eine deutsch-reformierte Stadt.
Erst der Einmarsch dänischer lutherischer Truppen im Jahr 1638 zwang den reformierten Stadtrat dazu, der großen Zahl von Lutheranern in der Stadt wieder evangelische Gottesdienste im Dom zu genehmigen. So bestanden beide evangelischen Konfessionen in Bremen nebeneinander.
Vieles hat die Bremische Evangelische Kirche seit der Reformationszeit bewahrt. Schon die Kirchenordnung von 1534 legte einen besonderen Akzent auf die Gemeindeautonomie und seitdem 1860 der Bürgermeister Johann Smidt das sogenannte Personalgemeindeprinzip einführte, steht es allen evangelischen Bürgern Bremens frei, welcher Kirchengemeinde sie angehören wollen.

Am 31. Oktober 2017 feiern wir auch in Bremen 500 Jahre Reformation. Die Bremische Bürgerschaft und der Senat haben beschlossen, dass dieser Tag ein gesetzlicher Feiertag sein soll. Denn die Reformation war und ist für alle Menschen von Bedeutung. Und sie geht weit über die Frage des Glaubens hinaus. Die Reformation steht für Respekt, Achtung und Anerkennung. Sie steht für Menschenrechte und Menschenwürde, für Demokratie und Verantwortung. Dr. Carsten Sieling

Bürgermeister, Präsident des Senats der Freien Hansestadt Bremen