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Reformationsstadt Celle

Deutschland

Celle

Schritte der Prinzen in eine neue Zeit

Die Stadt Celle liegt in Norddeutschland, südlich von Hannover, der Hauptstadt des Bundeslandes Niedersachsen. Nach Norden erstreckt sich die Lüneburger Heide, eine weiträumige Heide- und Waldlandschaft, die den Hauptteil des früheren Fürstentums Lüneburg umfasst. Ab 1433 machten die Fürsten von Lüneburg das Celler Schloss zu ihrer Residenz. Zur gleichen Zeit erlebte die Stadt einen wirtschaftlichen Aufschwung. Das spätmittelalterliche Stadtzentrum des Ortes besteht aus einem Ensemble sehenswerter Fachwerkhäuser.
Celle war die erste Stadt außerhalb Wittenbergs, die sich vollständig der Reformation anschloss und dies bereits 1524. Die Initiative dazu ging von Ernst I., Herzog zu Braunschweig und Lüneburg (1497–1546) aus, der später auch „der Bekenner“ genannt wurde.
Die beiden herzoglichen Brüder Otto (der Erstgeborene) und Ernst wurden zu ihrer Erziehung ihrem Onkel Friedrich dem Weisen anvertraut. Dieser schickte sie 1511 bis 1516 auf die von ihm begründete Universität Wittenberg und bestellte als Aufseher ihrer Studien Georg Spalatin, eine Schlüsselfigur der Frühreformation. Hier hörten sie Luther in seinen Vorlesungen. So wurden sie zu authentischen Zeugen der aufkeimenden Reformationsgedanken, die Luther in seinen Vorlesungen entfaltete.
Als die Prinzen nach ihren anschließenden Bildungsreisen in die Residenzstadt Celle heimkehrten, hatte sich dort 1517 Wolf Cyclop als Leibarzt des regierenden Herzogs Heinrich niedergelassen. Zuvor Professor der Mathematik in Wittenberg, dann Apotheker, war er glühender Anhänger Luthers. Das veranlasste ihn, alsbald gegen die Franziskanermönche vorzugehen, die den Messdienst an der Stadtkirche St. Marien versahen und sich jeglichen Neuerungen widersetzten. Otto und Ernst bekundeten bereits am 28. Juli 1521, wenige Tage bevor ihr Vater sie förmlich als Mitregenten an der Landesregierung beteiligte, dass Sie sich der reformatorischen Bewegung angeschlossen hatten. Ein Jahr später dankte Herzog Heinrich wegen der über ihn verhängten Reichsacht ab und ging ins französische Exil. Damit gehörte das Fürstentum Lüneburg fortan zu den fünf reformatorischen Reichsfürstentümern.
1527 erwirkte Ernst die Zustimmung des Landtages zur Klosterreform, was die Einführung der Reformation landesweit und zudem eine Neuordnung des Finanzwesens beinhaltete. 1530 berief er Urbanus Rhegius nach Celle, der zunächst die Reformation in der Stadt Lüneburg durchsetzte und sich dann der Klosterreform widmete. Mit seiner Berufung war die Einführung der Reformation in Celle erfolgreich durchgeführt, zur selben Zeit, als auf Reichsebene die Confessio Augustana, die maßgebliche evangelische Bekenntnisschrift, präsentiert wurde, zu deren Unterzeichnung sich auch die Herzöge Ernst und Otto anschlossen.

Die von Deutschland vor 500 Jahren ausgehende Reformation war und ist eine Entwicklung von welthistorischer Bedeutung. Dass die Stadt Celle an dieser Entwicklung schon sehr früh direkt beteiligt war, ist nur wenig bekannt. Die von dem Reformationsfürsten Ernst dem Bekenner in Celle und seinen Brüdern Otto in Harburg und Franz in Gifhorn ausgehende Fürstenreformation war nicht nur bedeutsam für Norddeutschland, sondern strahlte aus bis nach Skandinavien und ins Baltikum.
Um das Wissen hierüber zu verbreiten, wird es in der Stadt Celle im Jubiläumsjahr 2017 eine Vielzahl von Veranstaltungen geben. Herausragend dürfte dabei ein Ausstellungsprojekt sein, das vier Präsentationen an drei Ort zeigen wird. Das örtliche Bomann-Museum und der Kirchenkreis Celle werden vergangene und gegenwärtige Aspekte des Themas präsentieren.
Ich lade Sie herzlich ein, im Jahre 2017 die Reformationsstadt Celle zu besuchen.

Dr. Jörg Nigge

Oberbürgermeister, Celle

Links

Stadt Celle: www.celle.de
Tourismus: www.celle-tourismus.de
Evangelisch-Lutherischer Kirchenkreis Celle: www.kirche-celle.de
Evangelisch-Lutherische Landeskirche Hannovers: www.landeskirche-hannovers.de