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Reformationsstadt Český Těšín

Tschechien

Cesky Tesin

Eine Stadt, die Nationen und Konfessionen verbindet

Die alte schlesische Stadt Teschen ist heute eine auf zwei Länder aufgeteilte Doppelstadt. Cieszyn ist der polnische Teil der Doppelstadt, wohingegen Český Těšín in der Tschechischen Republik liegt. Über den Grenzfluss Olsa führen drei Brücken, die als Grenzübergänge auch die Nationen verbinden. Die Doppelstadt ist heute der Mittelpunkt der Euroregion Silesia und ein wichtiger Knotenpunkt im Dreiländereck von Polen, Tschechien und der Slowakei.

Teschen kam besondere Bedeutung für die Reformation zu. In den 1520er Jahren verbreitete sich von Breslau her der evangelische Glaube in Schlesien. Als sich der Teschener Herzog Wenzel Adam aus dem Geschlecht der Piasten bei seinem Regierungsantritt 1545 formal zur Reformation bekannte, war der neue Glaube schon längst in der Bevölkerung verankert. Pfarrer hatten geheiratet, Mönche und Nonnen die Klöster verlassen und in den Kirchen wurde evangelisch gepredigt und das Abendmahl in beiderlei Gestalt (mit Brot und Wein) gefeiert. Mit den Schul- und Kirchenordnungen von 1568 und 1584 fand die Reformation in Teschen ihren Abschluss. Der Nachfolger von Herzog Wenzel Adam war Herzog Adam Wenzel. 1609 wandte er sich wieder dem katholischen Glauben zu. Mit dem Aussterben der Dynastie der Piasten fiel Teschen wie die anderen schlesischen Herzogtümer an Habsburg. Es begann eine radikale Rekatholisierung.
Evangelische Gottesdienste wurden untersagt, die Kirchen der katholischen Kirche übergeben, evangelische Bücher konfisziert und die evangelische Bevölkerung mit Repressalien zur Konversion oder zur Auswanderung genötigt.
Immerhin drei evangelische Kirchen wurden im Westfälischen Frieden von 1648 den Evangelischen in Schlesien zugestanden: die sogenannten Friedenskirchen. Die verbliebenen Evangelischen trafen sich in den Wäldern zu geheimen Gottesdiensten. Mehr als fünfzig Jahre Geheimprotestantismus ohne Kirchen und Pfarrer fanden ein Ende als 1707 der schwedische König Karl XII. seine militärische Vormachtstellung gegenüber Habsburg nutzte und Kaiser Josef I. das Zugeständnis abrang, „von kaiserlichen Gnaden“ in Schlesien sechs evangelische Kirchen zu erbauen. Sie wurden von da an „Gnadenkirchen“ genannt. Die Teschener Gnadenkirche – die Jesuskirche – ist die größte der sechs schlesischen Gnadenkirchen und war für viele Jahrzehnte die einzige evangelische Kirche in Oberschlesien und als Kirchenbau die größte evangelische Kirche in der Donaumonarchie. Sie wurde als Steinbau mit einem 72 Meter hohen Turm ausgeführt und fasst knapp 8000 Menschen. Bis heute wird sie als evangelische Kirche genutzt und ist die Mutterkirche der Evangelischen Christen in Polen.
Der tschechische Teil des vormaligen Österreichisch-Schlesien liegt in einem ca. 40 km breiten Streifen im Nordosten der Tschechischen Republik. In diesem Gebiet ist die Schlesische Evangelische Kirche A.B. in Tschechien beheimatet, die ihre Gottesdienste in den 21 Gemeinden auf Tschechisch und auf Polnisch feiert. Durch die Leuenberger Konkordie steht die Schlesische Evangelische Kirche A.B. mit den anderen evangelischen Kirchen in Tschechien in Kirchengemeinschaft

Links

Stadt Český Těšín www.tesin.cz
Schlesische Evangelische Kirche A. B. www.sceav.cz/de
Evangelische Kirche der Böhmischen Brüder www.e-cirkev.cz
Brüderkirche https://portal.cb.cz
Tschechoslowakische Hussitische Kirche www.ccsh.cz