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Reformationsstadt Detmold

Deutschland

Detmold

Einheit in versöhnter Verschiedenheit

Die deutsche Stadt Detmold liegt in Nordrhein-Westfalen am Rande des Naturparks Teutoburger Wald. Bekannt ist die Stadt auch durch das weithin sichtbare Hermannsdenkmal aus dem 19. Jahrhundert. Das ist eine Kolossalstatue, die an die sogenannte Schlacht im Teutoburger Wald im Jahre 9 nach Christus erinnern soll, als germanische Stämme römischen Legionen eine entscheidende Niederlage zufügten.
Detmold war von 1468 bis 1918 die Residenzstadt der Herren, Grafen und Fürsten zu Lippe.
Die Entwicklung der Reformation in Deutschland ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, als sich ausgehend von der Kurpfalz nach und nach einige zunächst lutherische Reichsstände dem reformierten Protestantismus zuwandten, zeigt sich besonders prägnant in Detmold, der Residenz in der damaligen Grafschaft Lippe. So gehört zur Geschichte der Stadt eine Periode lutherisch-reformierter Auseinandersetzungen, die sich dem Gedächtnis der Lippischen Landeskirche eingeschrieben haben.
Detmold gehörte bis zur Reformation zum Bistum Paderborn. Die Richtungsentscheidung zugunsten der lutherischen Reformation fiel in der Stadt 1536, als Simon von Exter erster lutherischer Pfarrer wurde. Zwei Jahre später wurde im Land Lippe eine Kirchenordnung eingeführt, durch die eine flächendeckende Einführung der Reformation nach Wittenberger Vorbild festgeschrieben wurde.
Nach den Regelungen des Augsburger Religionsfrieden von 1555 kam allein dem Landesherrn – beziehungsweise im Falle der Reichsstädte: dem Magistrat – das Recht zu, über die Konfession in seinem Herrschaftsgebiet zu entscheiden. Graf Simon VI. (1554-1613) nahm dieses Recht 1605 in Anspruch. Am 2. Juni ließ er zum ersten Mal das reformierte Abendmahl mit Wein und Brot statt Oblaten abhalten und unterstrich damit den von ihm vollzogenen Wechsel im religionspolitischen Kurs seines Landes zugunsten der reformierten Konfession in Detmold und Lippe. Zugleich blieben Teile des Detmolder Stadtbürgertums lutherisch.
Im „Röhrentruper Rezeß“ 1617 einigte man sich juristisch auf die konfessionelle Aufteilung des Landes Lippe in das lutherische und das reformierte Bekenntnis. Fortan bezeugte die Erlöserkirche mit ihrem 1564 errichteten Turm das reformierte Detmold. Erst deutlich später kam es zur Öffnung der Religionsausübung – in einer Periode, in der sich Detmold zur bedeutendsten Stadt in Lippe entwickelte. 1854 schließlich wurden reformierte, lutherische und katholische Kirchen in Detmold und Lippe gleichgestellt. Heute prägt auch der Name Martin Luthers das Stadtbild: 1898 wurde wieder eine evangelisch-lutherische Kirche in Detmold errichtet, welche heute den Namen Martin-Luther-Kirche trägt.
Heute sind beide Konfessionen in der Lippischen Landeskirche mit ihrem Sitz in Detmold verbunden, und evangelische wie lutherische Gemeinden existieren in Detmold Seite an Seite. 1973 unterzeichnete die Lippische Landeskirche als erste Kirche die Leuenberger Konkordie und bekannte sich damit zur späteren Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa und zur Verbundenheit der reformatorischen Kirchen. Gelebte Gemeinschaft ist heute ein Markenzeichen für die Stadt Detmold.

500 Jahre Reformation – das bedeutet für Detmold eine lange Geschichte der Auseinandersetzung mit Differenzen, aber auch mit Gemeinsamkeiten. Verschiedene religiöse Traditionen kommen hier zusammen. Von dieser Geschichte zu lernen heißt für uns, Toleranz und Akzeptanz zu lernen. Diese Erfahrung prägt Detmold als weltoffene Stadt bis heute, und soll es auch in Zukunft tun. Das Jubiläum der Reformation ist darum ein Anlass, nicht nur zurück zu blicken, sondern auch nach vorne. Andreas Heller

Bürgermeister, Detmold

Links

Stadt Detmold: www.detmold.de
Lippische Landeskirche: www.lippische-landeskirche.de