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Reformationsstadt Emden

Deutschland

Emden

Spuren der Reformation sind gegenwärtig

Emden – Mitte des 16. Jahrhunderts der größte Seehafen Europas und eine der bevölkerungsreichsten Städte im Deutschen Reich – war ein wichtiger Ort der Reformation. Die politische und geistesgeschichtliche Entwicklung Ostfrieslands sowie das internationale Gepräge Emdens bildeten den Hintergrund für die Gegenwart einer Vielzahl von reformatorischen Ansätzen. Als im europäischen Umfeld die Verfolgung von Protestanten einsetzte, wurde die kosmopolitische Hafenstadt zu einem Sammelbecken religiös Verfolgter und für Jahrzehnte zum Fluchtpunkt einer intellektuellen Elite, die von hier aus auch Einfluss auf die Entwicklung der Reformation anderer europäischer Länder nahm.
Emden nahm viele Impulse auf: Lutherische Theologen aus Bremen und Lüneburg, Andreas Karlstadt aus Wittenberg, Melchior Hoffman aus Schwäbisch Hall, viele niederländische Spiritualisten und Sakramentarier sowie Glaubensflüchtlinge aus Flandern kamen nach Ostfriesland. Es gab enge Verbindungen zur Reformation in der Schweiz und der polnische Humanist Johannes a Lasco wurde Superintendent der ostfriesischen Kirche. Der reformierte Theologe in einem eher „lutherischen“ Amt suchte dabei fortwährend den Dialog und den größtmöglichen Konsens zwischen den konfessionellen Gruppen.
Die Spuren des 16. Jahrhunderts sind noch heute gegenwärtig. Die Reformation in Emden hat eine ganz eigene Form gefunden, die in der großen Pluralität reformatorischer Ansätze besteht. Aus einem Nebeneinander kann durchaus ein Miteinander wachsen – Emden möchte ein Beispiel dafür sein.

Das historische Credo der Stadt Emden, das sich am Portal des Rathauses wieder findet, bringt es zum Ausdruck: ,Durch Eintracht wachsen kleine Dinge’. Das gilt auch für die Ausgestaltung Emdens als europäische Reformationsstadt. Gemeinsam sind die Bündnispartner auf einem guten Weg.

Bernd Bornemann

Oberbürgermeister, Stadt Emden