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Reformationsstadt Gennep

Niederlande

Gennep

Gennep – ein sicherer Hafen für alle

Die Stadt Gennep liegt in der niederländischen Provinz Limburg südlich von Nijmegen an der Mündung der Niers in die Maas. In ihrer knapp 700-jährigen Geschichte gehörte die Stadt an der Maas zu wechselnden Herrschaften und Nationen. Bis 1815 war Gennep Teil des Herzogtums Kleve, welches im 16. Jahrhundert der Reformation gegenüber aufgeschlossen war und seinen Bürgern Religionsfreiheit zusicherte. In der niederländischen Reformationsgeschichte nimmt Gennep eine besondere Rolle ein.
Ab 1530 kamen evangelische Glaubensflüchtlinge aus den Niederlanden, Belgien und Nordfrankreich nach Gennep und wurden von der mehrheitlich katholischen einheimischen Bevölkerung aufgenommen. Den Evangelischen wurde nicht nur gestattet, ihre Gottesdienste in der Sankt Martinuskirche zu halten, sondern katholische Priester und reformierte Prediger leiteten gemeinsam die Gottesdienste. Die Katholiken lauschten den Psalmen und die Reformierten verfolgten mit Ehrfurcht die Eucharistiefeier des katholischen Priesters. Neugeborene wurden vom katholischen Priester oder vom reformierten Prediger getauft, je nachdem, wer jeweils zur Verfügung stand. Selbst Herzog Wilhelm der Reiche von Kleve (1516-1592) ließ seine erste Tochter katholisch und die zweite evangelisch taufen.
Während die Reformation in weiten Teilen Europas Anlass zu Verfolgung, Gewalt und Krieg bot, zeigte sich in Gennep eine Alternative: Respekt und Toleranz ließen Bilderstürme, Verfolgung und Glaubenskriege nicht aufkommen und sicherten Frieden und Wohlstand.
Als Fernando Álvarez de Toledo y Pimentel, der Herzog von Alba (1507-1582), 1567 zum Statthalter der Niederlande ernannt wurde, begann seine Schreckensherrschaft, unter der vor allem die Protestanten leiden mussten. Der Herzog von Alba hatte schon im Schmalkaldischen Krieg als Feldherr die Protestanten besiegt. Nun flohen tausende Glaubensflüchtlinge aus den Niederlanden in das Herzogtum Kleve, hinzu kamen evangelische Glaubensflüchtlinge aus Frankreich und England. In Gennep, wie in Goch und Kleve entstand so ein Flüchtlingszentrum. Die Niederländischen Asylanten gründeten die „Holländische Flüchtlingsgemeinde“, vereinigten sich mit den einheimischen Protestanten und bildeten damit die reformierte Kirche in Gennep und Goch, die 1571 offiziell durch die Emder Synode anerkannt wurde.
Nachdem die reformierten Gottesdienste über viele Jahre in der katholischen Sankt Martinuskirche, im neuen Rathaus und in der katholischen Sankt Antoniuskapelle gefeiert wurden, beschloss das Presbyterium eine eigene Kirche zu bauen. Ein Grundstück gegenüber des Rathauses konnte im Zentrum von Gennep erworben werden und der Kirchenbau (1660-1663) wurde finanziert durch umfangreiche Kollektenreisen des damalige Predigers Johannes Engelen nach Deutschland und in die Niederlande.
Bis heute sind der Sankt Martinusturm und der Marktplatz mit dem alten Rathaus und der reformierten Kirche prägend für das historische Zentrum von Gennep. Als die Stadt 1815 Teil der Niederlande wurde, wurde die reformierte Kirche damit zur ältesten protestantisch erbauten Kirche der Niederlande. Darauf ist man in Gennep stolz, ebenso wie darauf, dass bis heute Toleranz und Respekt maßgebliche Tugenden der Stadt sind. Mit der Stadt Goch und der dortigen evangelischen Gemeinde besteht ein reger grenzüberschreitender Kontakt. Der ökumenische Gedanke und die Offenheit für anders Denkende prägen bis heute das Leben in der Stadt Gennep.

Wir sind stolz darauf, dass Gennep die Reformationsstadt der Niederlande ist. Respekt und Toleranz sind Teil der DNA unserer Gemeinde. Das bringen wir seit 500 Jahren zum Ausdruck. Und heutzutage ist diese offene Einstellung in Richtung Andersdenkender noch immer wichtig. Diese Kultur pflegen wir und tragen sie in die Welt. Zusammen zeigen wir im Reformationsjahr wofür Europa steht.

Peter de Koning

Bürgermeister von Gennep