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Reformationsstadt Kežmarok

Slowakei

Kezmarok

Kirche und Schule

Kežmarok (deutsch: Käsmark, ungarisch: Késmárk) liegt in der Zips, einer Landschaft in der nordöstlichen Slowakei am Fuße der Hohen Tatra und ihren Gipfeln mit über 2600 m Höhe. Die Zips war seit der Wende zum 13. Jahrhundert Siedlungsgebiet deutscher Einwanderer. Sie gründeten Städte und erhielten zahlreiche Privilegien, darunter die freie Pfarrerswahl. Dieses Vorrecht wirkte sich im Reformationszeitalter entscheidend aus.
Aufgrund ihrer umfassenden Freiheiten erreichte die Zips im 14. Jahrhundert ihre wirtschaftliche und kulturelle Blüte. Sie profitierte von ihrer günstigen geographischen Lage am Schnittpunkt wichtiger Handelsrouten zwischen dem Norden und Süden, Westen und Osten, ideal für den aufstrebenden Transit- und Exporthandel. Ihre Vielfalt an Kunst, Handwerk, Gelehrsamkeit und kirchlichen Aktivitäten machte die 24 Städte in dieser Region zu Zentren der zeitgenössischen Kultur.
Käsmark ist vor allem bekannt durch seine Holzkirche, eine Artikularkirche aus dem ausgehenden 17. Jahrhundert, die zum Weltkulturerbe gezählt wird Außerdem verfügt die Stadt über die berühmte Bibliothek des Lyceums mit 150.000 Bänden die größte historische Schulbibliothek Mitteleuropas. Darunter befinden sich 55 Inkunabeln, 3000 Bände aus dem 16. Jahrhundert. Wegen der kulturellen Schätze wird der Ort auch die „heimliche Hauptstadt der Zips“ genannt.
Die Entscheidung für die Reformation nach Wittenberger Vorbild fiel in Käsmark schon frühzeitig. Sie war allerdings nur gegen den Widerstand der kirchlichen und politischen Obrigkeiten durchzusetzen. Georg Leudischer, der 1531 zum Pfarrer gewählt wurde, galt als „Apostel der Reformation“. Er führte dieses Reformationswerk durch, unterstützt vom Rat der Stadt und protegiert von Johannes Zápolya, der gegen den Habsburger Ferdinand von Österreich in den sogenannten Thronwirren von 1526-1540 um die ungarische Königskrone kämpfte.
Die städtische Lateinschule wurde zu einem Kristallisationspunkt des reformatorischen Bildungsprogramms. Melanchthonschüler wie Leonhard Stöckel (um 1510-1560) oder Matthias Thoraconymus (1550-1593) führten das „System Melanchthons“ ein und gaben wegweisende Impulse für die Reformierung des Schulwesens in der Slowakei. Aus ihrem engen Anschluss an das Unterrichtsmodell, das Philipp Melanchthon entworfen hatte, wurde das Gymnasium reformiert. Stöckels Programm stellte eine Synthese zwischen humanistisch-pädagogischen Bildungszielen und lutherischer Glaubenslehre dar und legte einen besonderen Akzent auf Wissen und Frömmigkeit.
Matthias Thoraconymus war von 1571-1578 Lehrer und Rektor am protestantischen Gymnasium in Käsmark und hatte das Rektorat wahrscheinlich noch einmal von 1588-1593 inne. Sein Geburtsname war Matej Kasbát. Den griechisch-lateinischen Humanistennamen hatte in Wittenberg angenommen, als er sein Studium bei Melanchthon begonnen hatte.
Aus der Nähe zu Melanchthon resultierte auch die theologische Einstellung der beiden, die eine Verständigung mit der schweizerischen Reformation suchte und deshalb von den strengen Lutheranern als „Kryptocalvinismus“ verdächtigt wurde. An der Spitze dieser philippistischen Richtung stand der Pfarrer von Käsmark Sebastian Ambrosius Lam (1554-1600), der mit seiner Schrift „Kurze Wiederholung der reinen und gesunden Lehre, wie dieselbige in der Kirche und Schul der Stadt Keismarck geführet wird“ von 1598 die melanchthonische Prägung der Zips zum Ausdruck brachte. Auch er war ein bedeutender Intellektueller, der mit vielen Geistesgrößen seiner Zeit, darunter die am Wiener Hof wirkenden Historiographen Johannes Sambucus und den Leiter der Hofbibliothek Hugo Blotius, dem Rektor der Genfer Universität und Nachfolger Calvins Theodor Beza, in Briefkontakt stand.
Die 24 Zipser Städte bekräftigten 1568 die Entscheidung für die lutherische Reformation durch eine eigene Bekenntnisschrift zur Confessio Augustana, der sogenannten Confessio Confessio Scepusiana. Die Städte wollten damit zum Ausdruck bringen, dass sie nicht irgendeiner ihnen unterstellten Ketzerei anhängen, sondern der maßgeblichen lutherischen Bekenntnisschrift folgen, die Philipp Melanchthon 1530 abgefasst hatte und die 1555 auch reichsrechtlich anerkannt wurde.

PhDr. Mgr. Ján Ferenčák

Bürgermeister, Kežmarok

Links

Stadt Kežmarok: www.kezmarok.sk
Evanjelická Cirkev augsburského vyznania na Slovensku: www.evangelische.sk