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Reformationsstadt Kronstadt

Rumänien

Kronstadt

Ein feste Burg

Die rumänische Stadt Brașov (deutsch: Kronstadt und ungarisch: Brassó), liegt im Südosten Siebenbürgens im Karpatenbogen. Sie gehört zur historischen Region des Burzenlandes, das bis in die Neuzeit mehrheitlich von Siebenbürger Sachsen bewohnt war. Im Mittelalter war das Gebiet vorübergehend im Besitz des deutschen Ritterordens, der die Stadt wahrscheinlich um 1213 gründete. Um 1500 rangierte Kronstadt mit etwa 12.000 Einwohnern an erster Stelle in Siebenbürgen. Multiethnisch geprägt, lebten in der Metropole neben Sachsen, Ungarn und Rumänen armenische und griechische Händler, Roma und Flüchtlinge aus dem Balkan. Seinen Reichtum verdankte Kronstadt dem Fernhandel zwischen dem Orient und den rumänischen Fürstentümern. Das Stadtbild spiegelte Macht und Reichtum des Bürgertums. Innerhalb der mit zahlreichen Basteien und Wehrtürmen befestigten Stadt, welche sie zur uneinnehmbaren Festung machten, standen prächtige Häuser des Bürgeradels. Das Wahrzeichen, die kolossale Schwarze Kirche genannte Stadtpfarrkirche war die größte gotische Kirche südöstlich von Wien.
Kronstadt wurde im Mittelalter mit seinen zahlreichen Bildungseinrichtungen zum Zentrum des siebenbürgisch-sächsischen Humanismus. Dessen herausragender Repräsentant war der Reformator Johannes Honterus (1498-1549), der als Philologe und Pädagoge, als Verfasser geografischer Studien und Karten sowie als Buchdrucker in einer Person bekannt wurde. Honterus studierte in Wien und ging nach kurzem Aufenthalt in seiner Heimat nach Regensburg, Krakau und Nürnberg und gelangte schließlich nach Basel, wo zum Anhänger des Reformators Johannes Ökolampad wurde.
1533 kehrte er nach Kronstadt zurück. Dort widmete er sich der Reform des Schulwesens, das er im Sinne humanistischer Bildungsziele neu organisierte. Er öffnete eine Druckerei und begann zudem eine umfangreiche Verlegertätigkeit.
1542 wurde die reformatorische Bewegung in Kronstadt durch eine günstige politische Konstellation befördert, als Johannes Fuchs zum Stadtrichter gewählt wurde. Er war ein überzeugter Anhänger der Reformation und mit Honterus befreundet. Dank seinem Einfluss konnte das Kronstädter Bürgertum und die Geistlichen der Stadt und des Burzenlandes für die Reformation gewonnen werden. An die Spitze der Bewegung trat nun Honterus, der sich in seinen Positionen inzwischen der Wittenberger Richtung der Reformation angenähert hatte.
Er arbeitete 1543 eine Bekenntnisschrift, das sogenannte „Reformationsbüchlein für Kronstadt und das Burzenland“ aus. Als Modell diente ihm dabei die Reformationsordnung der Stadt Nürnberg, die er während seines Aufenthaltes dort 1529 kennengelernt hatte. In seiner Reformationsschrift vermied Honterus bewusst provozierende Äußerungen. Er wollte mit seiner Programmschrift zur Reformation die Einheit der Sachsen fördern. Er vermied jeden Angriff auf die kirchliche Obrigkeit. Dagegen kritisierte er die weltliche Herrschaft, die seiner Meinung nach ihre Aufgaben auf dem Gebiet der Schulbildung, der Armen- und Waisenfürsorge vernachlässigte. Daraufhin wurde der Statthalter Siebenbürgens hellhörig und lud Honterus zu einem Gespräch. Sein Reformationsbuch fand, nachdem es von Melanchthon in Wittenberg in Druck gegeben worden war, Verbreitung unter den Siebenbürger Sachsen. Auch die politische Führung in Siebenbürgen, die Nationsuniversität, bewertete die lutherische Reformation als mögliche Grundlage für die angestrebte Einheit.
Honterus wurde 1544 zum Stadtpfarrer an der Schwarzen Kirche gewählt. Damit bekräftigte der Magistrat die lutherische Richtung der Reformation in der Stadt, nachdem vorher unter der Zustimmung des Rates Bilder aus der Kirche entfernt worden waren.
1550 schließlich wurde die „Kirchenordnung aller Deutschen in Siebenbürgen“ von der Nationsuniversität als verbindlich für die deutschen Siedlungen auf dem autonomen Gebiet der Sachsen deklariert. Auf diesem Wege ging die Einführung der Reformation in Siebenbürgen zügig und konfliktfrei vonstatten. Nachdem 1560 andere Bekenntnisse verboten worden waren, übernahm von da an das lutherische Bekenntnis auch die politische und kulturelle Funktion, die Identität der Siebenbürger Sachsen zu sichern.
Eine Gedenktafel für Johannes Honterus befindet sich noch heute im Chor der Schwarzen Kirche. Ihr gegenüber befindet sich das „Honterus-Gymnasium“, dessen Gebäude das Stadtbild prägt.

Emden gehörte im 16. Jahrhundert neben Genf und Wittenberg zu den einflussreichsten Stätten der Reformation. Sie war damals der größte Seehafen Europas und eine der größten Städte im Deutschen Reich. George Scripcaru

Bürgermeister, Kronstadt/Brasov

Links

Stadt Brașov: www.brasovcity.ro
Tourismus: www.rumaenien-tourismus.de
Evangelische Kirche A.B. in Rumänien: www.evang.ro