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Reformationsstadt Leipzig

Deutschland

Leipzig

Verspätete Reformation

Leipzig ist die größte Stadt im Freistaat Sachsen und hat in historischer und kultureller Hinsicht zentrale Bedeutung für die Region Mitteldeutschlands.
Bereits im Mittelalter avancierte die Stadt zu einem wichtigen Handelszentrum europäischen Ranges. Als eine der weltweit ältesten Messestädte wurde Leipzig zu einem Zentrum des internationalen Pelzhandels und durch ihre Buchmessen zum Mittelpunkt des Buchdrucks und Buchhandels. Außerdem beherbergt die Stadt eine der ältesten Universitäten. Bekannt ist die Stadt auch durch ihre musikalische Tradition, deren Höhepunkt durch das Wirken Johann Sebastian Bachs als Kantor an der Thomaskirche markiert ist. Der Thomanerchorgehört nicht nur zu den ältesten, sondern auch zu den bekanntesten Chören Europas. Im Zuge der politischen Wende, die 1990 zur Vereinigung der Deutschen Demokratischen Republik mit der Bundesrepublik Deutschland führte, nahm Leipzig eine zentrale Rolle ein, wobei die Nikolaikirche als Schauplatz der Friedensgebete zum symbolischen Ort wurde.
In die Geschichte der Reformation ging die Stadt zuerst mit der Leipziger Disputation von 1519 ein. Die Disputation, die zwischen dem Ingolstädter Theologen Johannes Eck (1486-1543) und seinen Wittenberger Kollegen Andreas Karlstadt (1486-1541) und Martin Luther (1483-1546) vereinbart wurde, sollte der öffentlichen Diskussion strittiger Fragen zum Verständnis der göttlichen Gnade im Verhältnis zur menschlichen Freiheit und zur Autorität von Schrift und Tradition sowie von Papst und Konzil dienen. Sie dauerte drei Wochen und fand große öffentliche Aufmerksamkeit. Austragungsort war die Residenz Pleißenburg des Herzogs Georgs des Bärtigen. Aus Wittenberg war neben Philipp Melanchthon und anderen Professoren eine große Menge an Studenten angereist, die sich einen Spaß daraus machten, Eck zu provozieren. Täglich wohnten mehrere hundert Zuhörer dem Schlagabtausch bei, der nacheinander zwischen Eck und Karlstadt und Eck und Luther stattfand.
Besonderes Aufsehen und Öffentlichkeitswirksamkeit besaßen die Themen, die in der Debatte zwischen Luther und Eck behandelt wurden. Dabei bestritt Luther den Anspruch des Papsttums als Oberhaupt der Kirche ebenso wie er die Unfehlbarkeit kirchlicher Norm leugnete. Eck dagegen rückte Luther in die Nähe des 1415 in Konstanz hingerichteten Ketzers Jan Hus und trug damit wesentlich dazu bei, dass der Prozess gegen Luther im Sinne seiner Verurteilung als Ketzer befördert wurde.
Herzog Georg der Bärtige zeigte sich zunächst kirchlichen Reformgedanken gegenüber aufgeschlossen. Auf seine Vermittlung hin fand die Disputation in Leipzig statt. Danach jedoch trat er mit aller Härte gegen die reformatorische Bewegung auf. 1525 beteiligte er sich an der blutigen Niederschlagung des Bauernaufstands in Frankenhausen. Im Dessauer Bund der katholischen Reichsstände fuhr er in seinem Herrschaftsgebiet einen entschieden antireformatorischen Kurs.
Nach seinem Tod 1539 wurde sein jüngerer Bruder Heinrich der Fromme sein Nachfolger. Dieser sah als seine wichtigste Aufgabe, im albertinischen Sachsen die von Wittenberg ausgegangene Reformation einzuführen. So schloss sich auch dieser Teil Sachsens – 20 Jahre nach der Leipziger Disputation – der Reformation an. Am Pfingstfest 1539 wurde dieses Ereignis in Leipzig gefeiert. Dazu waren auch der ernestinische Landesfürst Johann Friedrich und eine Reihe der Wittenberger Professoren angereist. Luther selbst hielt in der Thomaskirche eine Predigt. Mit diesem Datum nahm gewissermaßen die lutherische Landeskirche ihren Anfang. Zugleich wurde Caspar Borner zum Rektor der Universität gewählt, die in den folgenden Jahren zur protestantischen Musteruniversität umgestaltet wurde.
Zum 500. Reformationsjubiläum hat die Stadt Leipzig ein umfangreiches Programm vorbereitet. Sie ist in diesem Jahr auch Gastgeberin der 26. Generalversammlung der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen (WGRK).

Die Bedeutung Leipzigs als „Reformationsstadt Europas“ liegt darin, dass die Stadt der historischen Disputation von 1519 entscheidende Bedeutung für die Ausformung des lutherischen Bekenntnisses hatte. Hinzu kommt, dass sie Wirkungsstätte von Thomaskantor Johann Sebastian Bach und in jüngster Geschichte ein Zentrum der friedlichen Reformation vom Herbst 1989 war.

Burkhard Jung

Oberbürgermeister, Leipzig

Links

Stadt Leipzig: www.leipzig.de
Tourismus: www.leipzig.de/freizeit-kultur-und-tourismus
Evangelisch-Lutherischer Kirchenbezirk Leipzig: www.kirche-leipzig.de
Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens: www.evlks.de