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Reformationsstadt Nürnberg

Deutschland

Nürnberg

Treue zum Kaiser und Bekenntnis zum Glauben

Nürnberg ist eine Großstadt im fränkischen Teil des Freistaates Bayern in Deutschland. Den Rang einer Großstadt im Zentrum des Heiligen Römischen Reichs behauptete die Stadt bereits im späten 15. und frühen 16. Jahrhundert. Durch Handel und Handwerk hatte es die Stadt zu beträchtlichem Wohlstand gebracht. Die technische Entwicklung der Taschenuhr machten den Betrieb seines Erfinders, den Nürnberger Peter Henlein (1579/80-1542), zum europäischen Marktführer. Auch der Buchdruck spielte in Nürnberg im Anfangsstadium der Reformation eine wichtige Rolle. Er sorgte dafür, dass die Schriften der führenden Reformatoren, Luther und Melanchthon, schnell in die Hände einer interessierten Öffentlichkeit gelangten. Seit Ende des 15. Jahrhunderts galt die Stadt auch als Zentrum des Humanismus. Eine Vielfalt an Kunst, Handwerk und Gelehrsamkeit machte die Stadt zu einem kulturellen Mittelpunkt Europas.
Für die Reichstadt bedeuteten die reformatorischen Maßnahmen, mit denen das katholische Gemeinwesen in ein evangelisches Stadtkirchenwesen nach Wittenberger Vorbild überführt wurde, eine tiefgreifende Zäsur im Leben der Stadt. Das Reformationsgeschehen in Nürnberg hatte zudem ausstrahlende Wirkung auf die kleineren oberdeutschen Reichsstädte und die benachbarten Fürstentümer.
Luther hatte während seiner zwei Aufenthalte in Nürnberg im Jahr 1518 unter ratstragenden Persönlichkeiten bereits einige Anhänger seiner Ideen gewinnen können. Und noch bevor öffentlich im Sinne der Reformation gepredigt wurde, wurden Schriften Luthers, Melanchthons, Karlstadts und anderer gelesen und diskutiert; unter anderen griff auch der Nürnberger Meistersinger Hans Sachs (1494-1576) in die Debatte ein.
Eine reformatorische Stadtbewegung entstand, als 1522 von den Kanzeln im Sinne Luthers gepredigt wurde, dass Lehre und Praxis der bestehenden Kirche dem widersprachen, was die Bibel lehrte. Unter den Predigern nahm bald schon der Theologe Andreas Osiander (1498-1552) eine führende Rolle ein. Maßgeblicher Akteur auf Seite des Rates war der Luthervertraute und Stadtschreiber Lazarus Spengler (1479-1534). Eine erste Initiative zu Reformen ergriff 1522 der Rat der Stadt, indem er die Almosenordnung neu regelte. Die Gemeindereform, die in den darauffolgenden Jahren durchgeführt wurde, wurde weitgehend von Laien getragen und entscheidend gestaltet. Nürnberg blieb dennoch bis 1524 eine aufs Ganze gesehen katholische Stadt. Im Verbund mit gleichgesinnten evangelischen Städten bekannte sich die Stadt in einem Schreiben an Kaiser Karl V. zur Reformation unter gleichzeitiger Bekräftigung des Treueeids ihm gegenüber.
Von da an nahm der Rat die kirchenpolitische Durchsetzung der Reformation in seine Hand. Nach dem Vorbild in Zürich fand eine Disputation über strittige Glaubens- und Rechtsfragen statt, die zum Vorteil der evangelischen Seite entschieden wurde.
Nachdem auf diesem Wege die Einführung der Reformation beschlossene Sache war, übernahm der Rat auch die kirchliche Neuordnung. Die in den folgenden Jahren durchgeführten reformatorischen Veränderungen errichteten ein evangelisches Gemeinwesen, in dem die bisher in Kleriker und Laien auseinanderdividierten Bewohner der Stadt in einer christlichen Gemeinschaft mündiger Bürger integriert waren. 1526 gründete Melanchthon im Auftrag des Rates ein Gymnasium. Die Klöster und Chorherrenstifte wurden nach und nach aufgelöst und die entsprechenden Gelder in die Verfügung des Rates übernommen. Die bischöfliche Gerichtsbarkeit wurde in ein vom Rat eingesetztes Gremium überführt. Die evangelische Pfarrerschaft wurde vom Rat angestellt. Den Abschluss der Maßnahmen bildete 1533 die Einführung einer Kirchenordnung, die mit Hilfe des württembergischen Reformators Johannes Brenz erarbeitet war.
Aufs Ganze gesehen verlief die Konsolidierung der Nürnberger Reformation weitgehend konfliktfrei. Dazu trug vor allem die moderate Haltung des Rates bei. Maßvoll und besonnen verhielt sich der Rat auch gegenüber den sogenannten Täufern. Während ihnen sonst Verfolgung und Bestrafung drohte, begnügte man sich in Nürnberg damit, sie auszuweisen. Der Nürnberger Kanzleischreiber Georg Frölich (1500-1575) trug sogar 1530 die Idee vor, die in seiner Zeit unerhört war: eine weltliche Obrigkeit könne diverse „Häuflein oder Sekten“, „Christen, Juden, Wiedertäufer etc.“ dulden und ihnen freie, ungehinderte Lehr- und Kultpraxis zugestehen.

Als eine der wichtigsten Städte in Heiligen Römischen Reich, intellektuelles Zentrum des Humanismus und erste große Reichsstadt, die sich zu Luthers Lehren bekannte, zählt Nürnberg zu den herausragenden Orten des Reformationsgeschehens. Wie in den vergangenen Jahren der Lutherdekade beteiligt sich das Kulturreferat der Stadt auch auf der Zielgeraden des Reformationsjubiläums mit zahlreichen und vielfältigen Veranstaltungen.

Prof. Dr. Julia Lehner

Kulturreferentin, Nürnberg

Links

Stadt Nürnberg: www.nuernberg.de
Tourismus Nürnberg: tourismus.nuernberg.de
Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern: www.bayern-evangelisch.de
Reformationsjubiläum in Bayern: www.luther2017-bayern.de