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Reformationsstadt Puconci

Slowenien

Puconci

Die Öffentlichen unter den Geheimprotestanten

Puconci ist eine Gemeinde und Ortschaft in der historischen Region Prekmurje im äußersten Nordosten der Republik Slowenien. Der Landesteil Prekmurje ist nach dem Fluss Mur benannt. Die Region ist ein Hügelland und grenzt an Österreich und Ungarn an. Das Gebiet war im Mittelalter Teil des Königreichs Ungarn gewesen. In den Türkenkriegen im 16. Jahrhundert kam es als Königliches Ungarn zu Österreich. Von 1580-1732 stand es unter ungarischer Verwaltung. Zur Bevölkerung zählt auch heute eine ungarische Minderheit.
Eine zentrale Rolle für die Reformation in Slowenien nahm der Reformator Primus Truber (1508-1586) ein. Er war Schüler des humanistisch gesinnten und der Reformation zugewandten Triester Bischofs Pietro Bonomo (1502-1546). Von Bonomo 1530 zum Priester geweiht, geriet Truber wegen seiner reformatorischen Predigten, die er auf slowenisch hielt, zunehmend in Konflikt mit seiner Kirche. Gleichwohl wurde er 1542 zum Kanonikus an den Dom in Ljubljana berufen. Durch den Tod Bonomos änderte sich jedoch die Lage. Sein Nachfolger setzte im Bistum den antireformatorischen Kurs der Habsburger durch. Truber flüchtete 1548 nach Nürnberg und bekannte sich nun ausdrücklich zur Reformation. Danach, als er von 1553 bis 1561 Stadtpfarrer in der Reichsstadt Kempten war, setzte er die Ausrichtung der Stadt auf das Luthertum durch.
Außerhalb seiner Heimat in Süddeutschland widmete er sich seit 1550 seinem Lebenswerk: Die Förderung der slowenischen Reformation durch Veröffentlichungen reformatorischer Schriften in slowenischer Sprache. Die nationalsprachlichen Übersetzungen in die sogenannte „windische“ Sprache besorgte er weitgehend selbst. Dazu gehörten ein Katechismus, eine slowenische Kirchenordnung und eine Gesamtausgabe des Neuen Testaments und Teile des Alten Testaments. Die biblischen Schriften übertrug er auf Grundlage der Lutherbibel. 1561 entstand unter seiner Leitung und Mitarbeit anderer im württembergischen Urach das „Ungnad-Trubersche Bibelwerk“, ein Druckzentrum zur Produktion reformatorischer Schriften in slowenischer, kroatischer und italienischer Sprache, das er zusammen mit seinem Landsmann Hans Ungnad gegründet hatte. Mit seinen Veröffentlichungen biblischer und katechetischer Texte in der slowenischen Sprache begründete Truber überhaupt auch die Entstehung einer slowenischen Schriftsprache, die es vorher so noch nicht gegeben hat.
1562 kehrte er nach Laibach zurück, um als Superintendent eine slowenische Kirche aufzubauen, doch musst er schon drei Jahre später, nachdem er vom neuen Landesherrn Erzherzog Karl mit Predigtverbot belegt war, das Land wieder verlassen. Aufnahme fand er im lutherischen Herzogtum Württemberg. Von 1567 bis zu seinem Tode war er Pfarrer in Derendingen bei Tübingen. Während dieser Zeit arbeitete mit der Übersetzung und Veröffentlichung slowenischer Schriften in der Uracher Druckerei weiter an seinem Lebenswerk.
Die Reformation Trubers endete in Slowenien mit der erfolgreichen Durchsetzung der Gegenreformation im ersten Drittel des 17. Jahrhunderts. Ihre Maßnahmen waren: Die Schließung des Kirchen- und Schulministeriums in Ljubljana, die Ausweisung evangelischer Prediger, die Einrichtung einer Religions-Reformationskommission und der Landesverweis für den konversionsunwilligen Adel. Von da an lebten evangelische Christen als „Geheimprotestanten“.
Lediglich im Prekmurje, zu der der Ort Puconci zählt, gab es unter der ungarischen Verwaltung 13 evangelische Gemeinden. Puconci kann darum auf eine lange evangelische Tradition zurückblicken. Nicht wenige lutherische Pfarrer in Puconci betätigten sich nach dem Vorbild Trubers als Schriftsteller und veröffentlichten katechetische Schriften in der slowenischen Volkssprache. Nach dem Josephinischen Toleranzpatent von 1781 wurde im Zentrum Puconcis die erste lutherische Kirche in der Region Prekmurje erbaut. Als eine der wenigen Gemeinden in Slowenien verzeichnet Puconci heute eine lutherische Mehrheit.

Links

Kommune und Ortschaft Puconci: www.puconci.si
Evangelische Kirche A.B. in Slowenien: www.evang-cerkev.si