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Reformationsstadt Sabinov

Slowakei

Sabinov

Die Kleinste unter den Königlichen

Sabinov (deutsch: Zeben, ungarisch: Kisszeben) ist eine Kleinstadt in der Nähe von Prešov und liegt im östlichen Landesteil der Slowakei. Die Stadt erstreckt sich im weiten Tal des Flusses Torysa. Sehenswert ist das Ensemble der Gebäude im historischen Stadtkern mit Resten der mittelalterlichen Stadtmauer, das von der Bedeutung der Stadt im Mittelalter zeugt.
Die erste schriftliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1248. Wenig später wurde der Stadt die sogenannten Zipser Rechte eingeräumt, zu denen unter anderen auch das Recht auf freie Pfarrerwahl gehörte. Das hatte im 16. Jahrhundert entscheidenden Einfluss auf die Durchsetzung der Reformation, da die Städte in der Zips sich auf ihre politische und religiöse Eigenständigkeit berufen konnten.
Im 15. Jahrhundert zur königlichen Freistadt erhoben, gelangte Zeben im Jahrhundert danach als Handelsmetropole zu Reichtum.
Anfang des 16. Jahrhunderts wurde Zeben zum Bündnispartner in der Pentapolina, einem weitgehend deutsch geprägten Bund der fünf königlichen Freistädte, zu dem neben Zeben Bartfeld, Kaschau, Leutschau und Preschau und zählten. Diese Städte bildeten eine Region aus Handel und Bergbau von großer wirtschaftlicher Kraft und Prosperitätsgewinnen, was vor allem auch daran sichtbar wurde, dass viel Geld und Energie in die Errichtung kommunaler und kirchlicher Bauten investiert wurde.
Die königlichen Freistädte im Grenzgebiet zu Polen bauten Beziehungen zu den oberdeutschen Welthandelsplätzen aus und kontrollierten den Transithandel von Ost nach West. Eine zentrale Rolle nahm dabei Krakau ein. Am Vorabend der Reformation waren diese Städte Zentren, in denen es zu einer intensiven Symbiose aus Wissenschaft, bildungsbeflissener Frömmigkeit und Kunsttätigkeit kam. Intellektuelle Aufgeschlossenheit und frommes christliches Engagement der Bürger verbanden sich mit Wirtschaftskraft und politischer Autonomie, die den Städten Spielräume für selbständiges Handeln auch in religiösen Fragen boten.
Mit dem gleichen Eifer, mit dem die kommunalen und kirchlichen Bauten errichtet wurden, eröffnete man in den königlichen Freistädten auch Stadtschulen. Ein den humanistischen Bildungsstandards verpflichtetes Schulwesen gehörte zum Markenkern dieser Städte.
Im Zuge der Reformation gewann um 1529 in Sabinov die Täuferbewegung zunehmend an Zulauf. Ihr Exponent war der Prediger Andreas Fischer (um 1480 – um 1540), der sich bei seinem Aufenthalt in der österreichischen Stadt Linz dem radikal-reformatorischen Flügel der Täuferbewegung angeschlossen hatte. Unter dem Einfluss der Täufer wurde dem amtierenden Pfarrer Johann Praedicator heterodoxe Lehre vorgeworfen. Luther sah sich genötigt, ihn in einem Schreiben zur Beständigkeit in der evangelischen Lehre zu ermahnen.
Der Stadtrat sympathisierte mit den Täufern, ermöglichte Fischer öffentliche Auftritte und lud täuferische Familien zur Übersiedlung ein. Der katholische Pfarrer Antonius Philadelphus kämpfte gegen die Täufer und musste aus der Stadt weichen, wechselte nach Georgenberg/Spišská Sobota/Szepesszombat, wohin er als Pfarrer gewählt wurde. Dort wird ihm zugeschrieben, dass er die Reformation einführte.
1546 bekannten sich die königlichen Freistädte zur Wittenberger Reformation. Drei Jahre später, 1549, nahmen diese Städte das lutherische Glaubensbekenntnis, die Confessio Pentapolitana, an. Nachdem dieses Bekenntnis die gewünschte königliche und erzbischöfliche Genehmigung erhalten hatte, genossen die fünf königlichen Städte Religionsfreiheit für ihre an Luther und Melanchthon orientierte Neugestaltung der Kirche.
1603 befahl der Habsburger Kaiser Rudolf II. die Rekatholisierung der protestantischen Kirchen in den königlichen Freistädten. Die darauf eingeleiteten Maßnahmen, die gegenreformatorischen Bestrebungen auch mit Gewalt durchzusetzen, scheiterten jedoch am Widerstand der Stände. Daraus resultierte schließlich die Beteiligung der Protestanten am Bocskai-Aufstand 1604-1606.

Links

Stadt Sabinov: www.sabinov.sk
Evanjelická Cirkev augsburského vyznania na Slovensku: www.evangelische.sk