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Reformationsstadt Schwabach

Deutschland

Schwabach

Auch Blattgold führt zu keiner Einigung

In der Nähe von Nürnberg liegt die fränkische Stadt Schwabach. Berühmt wurde Schwabach als Goldschlägerstadt. Hier wird seit über 500 Jahren Blattgold hergestellt, das die Paläste und Kathedralen in aller Welt ziert. Die nach dem Ort benannte Schwabacher Schrifttype war im neu erfundenen Buchdruck mit beweglichen Lettern beliebt und vor allem in der Reformationszeit weit verbreitet. Auch viele Ausgaben der Lutherbibel wurden in der Schwabacher Schrift gedruckt. Schwabach gehörte zum Markgraftum Brandenburg-Ansbach, in dem Markgraf Georg der Fromme (1484-1543) bereits 1528 mit der Brandenburg-Nürnbergischen Kirchenordnung die Reformation einführte. Damit entsprach er dem Willen der Schwabacher Bürgerschaft, die sich schon ab 1523 der reformatorischen Lehre annäherte. Nach dem 2. Reichstag zu Speyer 1529 versuchten die evangelischen Stände eine Einigung zwischen den verschiedenen reformatorischen Strömungen zu erreichen. Nachdem dies beim Marburger Religionsgespräch Anfang Oktober 1529 nicht gelungen war, kamen zwei Wochen später wieder Wittenberger und oberdeutsche Reformatoren in Schwabach zusammen. Die dafür von Luther und Melanchthon verfassten Schwabacher Artikel wurden von den oberdeutschen Städten Straßburg und Ulm abgelehnt. Für Kursachsen wurden sie aber zur Zusammenfassung des eigenen Bekenntnisses. Die Schwabacher Artikel dienten zusammen mit den Torgauer Artikeln als Vorlage für die Confessio Augustana, dem evangelischen Bekenntnis, das 1530 auf dem Reichstag zu Augsburg dem Kaiser vorgelegt wurde. So führte der Schwabacher Konvent 1529 nicht zur gewünschten Einigung zwischen den evangelischen Richtungen, sondern zur Schärfung der Bekenntnisbildung auf dem Weg zu eigenständigen evangelischen Konfessionen. Erst 150 Jahre siedelten sich auch reformierte Christen in Schwabach an. Die Markgrafen nahmen französische Hugenotten als Glaubensflüchtlinge in ihrem Territorium in der Hoffnung auf, damit die Wirtschaftskraft des Landes zu steigern. 1686 gründeten die Hugenotten ihre Gemeinde und weihten ein Jahr später ihre Kirche ein, in der noch bis 1857 auf Französisch gepredigt wurde. Die innerevangelischen Lehrdifferenzen wurden aufgrund der unterschiedlichen Sprachen nicht sonderlich thematisiert. In Schwabach wird das Reformationsjubiläum 2017 in Verbindung mit dem 900. Jubiläum der ersten schriftlichen Erwähnung der Stadt gefeiert. Dabei wird das Thema Migration und Religion einen wichtigen Aspekt der Beschäftigung mit der Geschichte darstellen. In der Goldschlägerstadt lassen sich einige Gebäude der Reformationszeit besichtigen. Das Rathaus war beim Schwabacher Konvent 1529 gerade erst erbaut worden und der Gasthof Goldener Stern am Marktplatz, in dem 1529 der Konvent zu Schwabach getagt hat, ist bis heute im Betrieb.

Beispiel für die Schwabacher Schrifttype

Links

Stadt Schwabach www.schwabach.de
Tourismusbüro Schwabach www.schwabach.de/de/schwabach-erleben/tourismus.html
Evangelisch-lutherisches Dekanat Schwabach www.dekanat-schwabach.de
Evangelisch-reformierte Gemeinde Schwabach www.reformiert.de/gemeinde/schwabach.html
Kirchengemeinde Schwabach St. Martin http://www.stmartin-schwabach.de/