Seite auswählen

Reformationsstadt Spišská Nová Ves

Slowakei

Spišská Nová Ves

Zipser Konfession

Spišská Nová Ves (deutsch: Zipser Neudorf, ungarisch: Igló) ist eine der größeren Städte in der Ostslowakei. Sie liegt südöstlich der Hohen Tatra, in der traditionellen Region der Zips, die seit der Wende zum 13. Jahrhundert Siedlungsgebiet deutscher Einwanderer war. Zipser Neudorf entstand im 13. Jahrhundert durch Vereinigung des slowakischen Dorfes Iglov mit der deutschen Neusiedlung „Neudorf“. Nach dem Mongolensturm 1241 bauten deutsche Siedler den größten Straßenmarkt der Slowakei. Durch den Aufschwung der Montanindustrie wurde der Ort zu einer wirtschaftlich prosperierenden Bergstadt.
Die Stadt gehörte zu den 13 unter den 24 Zipser Städten, die 1412 von König Sigismund an den König von Polen verpfändet wurden unter Beibehaltung ihrer staatsrechtlichen Bindung an die ungarische Krone. Diese Städte in der Zips konnte so eine gewisse Selbständigkeit bewahren, sie fielen erst 1772 wieder an die Habsburger zurück. Andererseits gewannen die polnischen Einflüsse in dieser Region an Bedeutung.
Die Zips erlebte allgemein im 14. Jahrhundert ihre wirtschaftliche und kulturelle Blüte. Sie profitierte von ihrer günstigen geographischen Lage am Schnittpunkt wichtiger Handelsrouten zwischen dem Norden und Süden, Westen und Osten, ideal für den aufstrebenden Transit- und Exporthandel. Ihre Vielfalt an Kunst, Handwerk, Gelehrsamkeit und kirchlichen Aktivitäten machte die 24 Städte in dieser Region zu Zentren der zeitgenössischen Kultur.
Den Nährboden für die Reformation bildeten in dieser Region der Einfluss aus Humanismus und Renaissance. Hinzu kam die Nähe zu der Universität in Krakau und Schlesien, die den frühen Einfluss der Wittenberger Bewegung auf das deutsche Bürgertum in den Städten Ungarns begünstigten. Die Reformation erfasste zuerst die Städte mit ihrer deutschen Bevölkerung, griff erst später auf die slowakische und magyarische Ethnie über.
Es waren die deutschen Städte in der Zips und die Bergstädte, in denen schon zu Beginn der 20er-Jahre des 16. Jahrhunderts die Wittenberger Neuerungen bekannt wurden. Auch wenn authentische Daten über das erste Auftauchen von Lutherschriften fehlen, darf angenommen werden, dass Kaufleute und Studenten schon seit 1518 Drucke und Flugschriften aus Wittenberg, Leipzig oder Breslau mitgebracht haben. Bereits zum Jahreswechsel 1517/18 waren Luthers 95 Reformationsthesen in Ostmitteleuropa bekannt und wurden gelesen und diskutiert. Deshalb sah sich ja auch der Graner Erzbischof veranlasst, die Bannandrohungsbulle gegen Luther Exsurge Domini (15.6.1520) von allen Kanzeln verlesen zu lassen.
In Zipser Neudorf wirkten Im reformatorischen Sinne von 1548 bis 1555 Georg Leudischer, der unter anderem auch in in Leutschau und Käsmark tätig war, und zwischen 1562 und 1570 der Melanchthonschüler Valentin Megander/Großmann. Letzterer war Pfarrer in Neudorf. Er arbeitete zusammen mit dem Zipser Martin Cyriak Koch ein lutherisches Bekenntnis aus, die Confessio Scepusiana, eine maßgebliche Bekenntnisschrift der Zips. Damit bekräftigten die 24 Zipser Städte 1568 die Entscheidung für die lutherische Reformation. Die Städte wollten damit zum Ausdruck bringen, dass sie nicht irgendeiner ihnen unterstellten Ketzerei anhängen, sondern der maßgeblichen lutherischen Bekenntnisschrift folgen, die Philipp Melanchthon 1530 abgefasst hatte und die 1555 auch reichsrechtlich anerkannt wurde.
Auf Leudischers Wirken ist die Durchführung der Reformation zurückzuführen, so dass die große deutsche Kirche und die kleine slavische Kirche Gottesdienststätte der Evangelischen wurde und bis zum Jahre 1671 blieb. Dem Befehl des polnischen Königs, die katholischen Kirchen zurückzuerstatten, musste nach heftiger Gegenwehr 1674 entsprochen werden. Pfarrer und Diakone wurden zum Abzug gezwungen, dem evangelischen Stadtrichter in Lublau der Prozess gemacht. Die Bevölkerung durch Geldstrafen, Amtsentsetzung, Güterverlust und Verweigerung kirchlicher Amtshandlungen zur Rückkehr in die römisch-katholische Kirche angehalten. 1682 wurde ein evangelisches Privatexercitium wieder erlaubt, 1694 die Errichtung eines hölzernen Bethauses, das ihnen 1703 wieder vorübergehend weggenommen wurde. 1706 wurde die Gemeinde wieder konstituiert und ihr das Recht eröffnet, einen Pfarrer zu wählen und dauerhaft anzustellen. Sie blieb auch vor manchen Benachteiligungen und konfessionellen Schikanen seitens der römisch-katholischen Kirche nicht verschont, auch als die Verpfändung eingelöst wurde, denn da wurde auf Betreiben Maria Theresias der Zugang der Evangelischen zu öffentlichen Ämtern blockiert.

Dr. Ján Volný

Bürgermeister, Spišská Nová Ves

Links

Stadt Spišská Nová Ves: www.spisskanovaves.eu
Evanjelická Cirkev augsburského vyznania na Slovensku: www.evangelische.sk