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Reformationsstadt Turku

Finnland

Turku

Die Stadt Turku (schwed. Åbo) liegt an der südwestlichen Küste Finnlands am Kreuzpunkt der Ostsee. Seit ihrer Gründung im 13. Jahrhundert dient die Stadt den Finnen als Eingangstor zur Welt. Historisch war Finnland seit dem Mittelalter ein Teil des Schwedischen Königreichs, bis es 1809 als autonomes Großfürstentum in das Russische Kaiserreich eingegliedert wurde und sich 1917 verselbständigte. Bis 1812 war Turku die Hauptstadt Finnlands und zugleich sein geistlicher, administrativer, wirtschaftlicher und kultureller Mittelpunkt. Bis heute ist Turku der Sitz des evangelisch-lutherischen Erzbischofs von Finnland.

Der Beschluss zur Einführung der Reformation auf dem schwedischen Reichstag von Västerås im Jahre 1527 legte auch die Grundlage für die Reformation in den finnischen Landesteilen. Doch breitete sich die evangelische Bewegung in Finnland nicht durch Schweden, sondern durch Finnen selbst aus. Schon um 1523 predigte Petrus Särkilahti in Turku evangelisch. Einige Finnen zogen in der Folge zum Studium nach Wittenberg. Der bedeutendste von ihnen war Mikael Agricola (ca. 1510–1557), der zum Reformator Finnlands wurde. Zugleich war er der Begründer der finnischen Schriftsprache und ab 1554 der erste lutherische Bischof von Turku. Nach seinem Studium in Wittenberg 1536-1539 wurde er Rektor der Domschule in Turku.

Im Geiste der Reformation fing er an, die Bibel in die Sprache des Volkes zu übersetzen: Das finnische Neue Testament, das er in Anlehnung an Luther übersetzte, wurde 1548 in Stockholm gedruckt. Das Alte Testament konnte er teilweise ins Finnische übersetzen. Sein Abckiria (‚Abc-Buch‘), das 1543 zum ersten Mal aufgelegt wurde, enthält eine Fibel sowie einen Katechismus auf Finnisch. Im Jahre 1544 veröffentlichte er ein finnisches Gebetbuch und 1549 erschienen seine drei Kirchenagenden als praktische Hilfsmittel für finnischsprachige Gottesdienste. Agricolas vielseitige literarische Tätigkeit zeigt sich auch darin, dass die Vorrede zu seiner 1551 gedruckten finnischen Übersetzung der Psalmen Davids, Dauidin Psalttari, eine Beschreibung der altfinnischen heidnischen Gottheiten enthält.

Von Turku aus breitete sich die Reformation in ganz Finnland aus, wobei die Liturgie und die alten kirchlichen Strukturen im Wesentlichen erhalten blieben. Verschiedene historische Zeugnisse erinnern im Stadtbild Turkus an die Reformation, so der Dom und das Schloss von Turku. Beide zählen zu den beliebtesten historischen Sehenswürdigkeiten in Finnland. Letzteres ist das größte mittelalterliche Gebäude Finnlands und war in der Reformationszeit Schauplatz verschiedener auch konfessioneller Intrigen innerhalb des schwedischen Königshauses. Bis heute spricht man in Turku sowohl finnisch als auch schwedisch. 2011 war die Stadt Kulturhauptstadt Europas.

Links

Stadt Turku: http://www.turku.fi/Public/Default.aspx?

Tourismusbüro Turku: http://www.visitturku.fi/en/tourist-information_en-1

Kathedralgemeinde von Turku: https://www.turunseurakunnat.fi/portal/en/turku_cathedral/

Evangelisch-lutherische Kirche Finnland: http://evl.fi/EVLen.nsf

Turku Centre for Medieval and Early Modern Studies (TUCEMEMS): http://www.utu.fi/en/units/hum/sites/tucemems/reformation/Pages/home.aspx