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Reformationsstadt Waidhofen an der Ybbs

Österreich

Waidhofen an der Ybbs

Evangelisch trotz des katholischen Grundherrn

Die niederösterreichische Stadt Waidhofen an der Ybbs war durch den Eisenhandel und weitreichende Handelsbeziehungen mit deutschen Reichstädten wohlhabend geworden und so kam auch die neue Lehre Luthers in die Stadt.

Im Jahre 1528 waren die Brüder Paul und Johannes Rebhun, Rotgerbersöhne aus Waidhofen, an der Universität Wittenberg eingeschrieben und ließen sich für die evangelische Sache begeistern. Die neue Lehre, verbunden mit ihrem Freiheitssinn, fand auch in der Stadt Waidhofen bald Anhänger, besonders unter den Bürgern. Das Bürgertum der Stadt Waidhofen hatte öfters unter Repressalien des Grundherren, des Bischofs von Freising, zu leiden und war den Bürgern der landesfürstlichen Städten gegenüber in Nachteil. In einem Bericht des bischöflichen Pflegers an Bischof Heinrich III. von Freising aus dem Jahre 1535 führt dieser Beschwerde über das Auftreten des neuen Glaubens und den Verkauf von Kirchengütern. Damit ist die evangelische Bewegung in Waidhofen zu diesem Zeitpunkt schriftlich nachgewiesen.

Um 1550 war Waidhofen an der Ybbs eine fast zur Gänze protestantische Stadt. Wolf Ebenberger, bekennender Lutheraner und Stadtschreiber beeinflusste die Geschicke der Stadt in den folgenden Jahren. Auch der Rat der Stadt war mittlerweile evangelisch dominiert und bestellte Pfarrer Edlinger als Prädikanten in die Stadtpfarrkirche. Edlinger heiratete und feierte die Gottesdienste in deutscher Sprache.

Immer wieder kam es zu Auseinandersetzungen zwischen dem Rat und dem Pfleger, der die Belange des Bischofs von Freising vertrat. Schließlich griff 1587 eine gemeinsamen kaiserlich-bischöfliche Kommission in die Auseinandersetzungen ein: Der evangelische Rat der Stadt wurde abgesetzt und die Rekatholisierung wurde mit teils harten Maßnahmen durchgesetzt. Ebenberger wurde inhaftiert und starb in Kerkerhaft, viele evangelische Familien wanderten aus. Die Wirtschaft in der Stadt kam zum Erliegen. Noch einhundert Jahre später standen zahlreiche Häuser in der Stadt leer.

Heute gibt es wieder eine evangelische Gemeinde in Waidhofen. Durch die Industrialisierung kamen vermehrt Protestanten in die Region und so wurde Waidhofen 1877 von der evangelischen Pfarrgemeinde Steyr aus mitbetreut. 1922 wurde die evangelische Gemeinde Waidhofen selbständig. Die ökumenische Verbundenheit zwischen der katholischen und evangelischen Kirche wird durch die Bürgerspitalkirche dargestellt, in der beide Konfessionen ihre Gottesdienste halten.

Im Rahmen der Feiern zum Reformationsjubiläum finden zahlreiche Veranstaltung in Waidhofen an der Ybbs statt. Es wird eine Ausstellung gestaltet, die die Geschichte des Protestantismus im Mostviertel thematisiert. Stadtführungen und Konzerte werden sich dem Thema der Reformation widmen.

Zum fünfhundertsten Jubiläum der Reformation erinnern wir uns mit zahlreichen Veranstaltungen an dieses prägende Ereignis unserer Geschichte. Im Museum der Stadt wird eine Ausstellung mit dem Titel „gegen Papst und Kaiser“ eröffnet. Von den Stadtführern werden Rundgänge angeboten und geplant sind auch Konzerte des Waidhofener Kammerorchesters. Mag. Werner Krammer

Bürgermeister, Waidhofen

Links

Stadt Waidhofen an der Ybbs: www.waidhofen.at
Evangelische Pfarrgemeinde Amstetten – Waidhofen/Ybbs: www.amstetten.evang.at
Evangelische Kirche in Österreich: www.evang.at