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Reformationsstadt Wertheim

Deutschland

Wertheim

Keine Bratwurst für Luther

Zwischen Frankfurt und Nürnberg liegt an einer Flussmündung in den Main die Stadt Wertheim. Über der Altstadt der nördlichsten Stadt Badens thront die Ruine einer alten staufischen Burganlage: die Wertheimer Burg.
Im Sommer 1518, ein halbes Jahr nachdem Luther seine Thesen gegen den Ablasshandel veröffentlichte, verbot Graf Georg II. von Wertheim (1487-1530) pompöse Leichenfeiern und prangerte die vielen Stiftungen für Totenmessen an. Damit griff er eine zentrale reformatorische Kritik an der katholischen Ablasspraxis auf. Doch Georg II. wollte nicht nur die Frömmigkeitspraxis in seiner Grafschaft reformieren, er wollte sich auch von der kirchlichen Vorherrschaft der geistlichen Fürstentümer Kurmainz und Würzburg lösen.
Graf Georg II. wurde Sprecher des fränkischen Reichskreises, eines Zusammenschlusses kleiner und mittelgroßer Territorien und Städte in der Mitte des deutschen Reiches. In dieser Funktion nahm er an mehreren Reichstagen teil. So lernte er auf dem Reichstag in Worms 1521 auch Martin Luther kennen. In den folgenden Jahren bat er Luther mehrmals um Rat für die Umsetzung der Reformation und um Empfehlung von geeigneten evangelischen Predigern. Ab 1523 berief er den ehemaligen Kartäusermönch Franz Kolb (ca. 1465-1535) zum evangelischen Prediger und dieser verfasste eine evangelische Bekenntnisschrift, den „Wertheimer Ratschlag“. Doch wegen seiner Zwinglianischen Abendmahlsauffassung musste Kolb Wertheim verlassen.
Zum eigentlichen Reformator Wertheims wurde Johann Eberlin von Günzburg (ca. 1470-1533). Graf Georg II. berief ihn 1526 nach Wertheim und ihm gelang es, das Kirchen- und Schulwesen wie auch das soziale Leben in der Grafschaft schrittweise reformatorisch neu zu ordnen. Als Superintendent der Grafschaft verfasste Eberlin eine Kirchenordnung, übersetzte aber auch die „Germania“ des Tacitus ins Deutsche.
Nach dem plötzlichen Tod von Graf Georg II. 1530 übernahm seine Witwe, Gräfin Barbara den Vorsitz der Vormundschaftsregierung für ihren nur wenige Monate alten Sohn Michael. Unter ihrer Regentschaft konsolidierte sich die lutherische Kirchenordnung in der Grafschaft Wertheim. Gräfin Barbara sorgte für eine umfassende Vorbereitung ihres Sohnes auf seine künftige Regierungsverantwortung und sandte ihn zum Studium nach Leipzig und nach Wittenberg zu Luther und Melanchthon. Als Graf Michael III. 1551 seine Regierung antrat führte er die Visitationen der Landpfarreien und die Reformation des Klosterwesens ein und brachte die Reformation bis zum Jahr des Augsburger Religionsfriedens von 1555 zu einem Abschluss.
In der 1448 begründeten Historischen Kirchenbibliothek der Wertheimer Stiftskirche befinden sich bis heute einige der ersten gedruckten Flugschriften Martin Luthers aus dem Jahr 1518 sowohl in lateinischer wie in deutscher Sprache. Ebenfalls findet sich dort ein handkolorierter und Gräfin Barbara von ihrem Bruder gewidmeter Druck des Augsburger Bekenntnisses aus dem Jahr 1557. Im Grafschaftsmuseum ist eine Abteilung der Reformation in Wertheim gewidmet.
In Wertheim erzählt man sich eine Legende über Luther, der angeblich hier im Gasthaus „Goldener Adler“ eine Bratwurst verspeist haben soll ohne zu bezahlen. So wäre der berühmteste Gast zugleich auch ein Zechpreller gewesen. Auch wenn Luther tatsächlich wohl nie einen Fuß nach Wertheim gesetzt hat, wird die Geschichte bis heute weitererzählt – und die Bratwurst steht in der ältesten Gaststätte Wertheims an erster Stelle auf der Speisekarte.

Wertheim ist eine geschichtsträchtige Stadt, in der auch die Reformation ihre Spuren hinterlassen hat. Wir freuen uns auf viele interessante Veranstaltungen, die darauf Bezug nehmen. Begleitend zum Reformationsjubiläum bietet die Stadt zum Beispiel Führungen zum Thema „ Auf den Spuren der Reformation in Wertheim“ an. Außerdem gibt es im Seitenschiff der Stiftskirche eine kleine Faksimile-Ausstellung als Ergänzung zur konfessionskundlichen Abteilung im Grafschaftsmuseum. Stefan Mikulicz

Oberbürgermeister, Wertheim

Links

Stadt Wertheim http://www.wertheim.de
Tourismusbüro Wertheim http://www.tourismus-wertheim.de
Evangelischer Kirchenbezirk Wertheim http://kirchenbez-wertheim.de
Evangelische Landeskirche in Baden http://www.ekiba.de/