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Reformationsstadt Wittenberg

Deutschland

Wittenberg

Wiege der Reformation

Die kleine Stadt an der Elbe gilt als Wiege der Reformation. Von hier nahm die reformatorische Bewegung um Martin Luther ihren Ausgang. Die neue Lehre und die neuen Freiheiten wurden in geordnete Bahnen gelenkt und strahlten auf das Reich und auf Europa aus.
Martin Luther (1483-1546) war 1512 zum Professor an die erst zehn Jahre zuvor gegründete Universität in der sächsischen Residenzstadt Wittenberg berufen worden. Seine Kritik am kirchlichen Ablasswesen und der Bußpraxis veröffentlichte er am Vorabend des Allerheiligentages 1517 und brachte damit die reformatorische Bewegung ins Rollen. Der sich anschließende Häresieprozess, Luthers Exkommunikation 1520 und seine Verteidigung vor dem Wormser Reichstag 1521 wurden im ganzen Reich verfolgt. Längst hatten die reformatorischen Einsichten weite Teile der deutschen Bevölkerung erreicht: Neben Jesus Christus gibt es keine anderen Mittler zu Gott – weder Heilige, noch Priester, noch der Papst. Die Heilige Schrift eröffnet den Gläubigen den Zugang zu Gott und Christus, sie ist damit höher zu bewerten als das Kirchenrecht oder Konzilsbeschlüsse. Vor Gott kann sich der Christ nicht vertreten lassen – weder durch die Kirche, noch durch fromme Leistungen, die man selbst oder andere vollbringen. Eine ungekannte Freiheit brach sich Bahn.
Innerhalb weniger Jahre wurde das kirchliche Leben auf den Kopf gestellt. Anstelle der lateinischen Messe trat der evangelische Gottesdienst, in dem in der Predigt die Bibel in der Landessprache ausgelegt wurde, Klöster wurden aufgelöst, Priester heirateten, die Bibel wurde in die Volkssprache übersetzt und Schulen gegründet, damit die Bevölkerung Lesen und Schreiben lernte. In Flugschriften und Liedern wurde der neue Glaube verbreitet. Neben Luther waren in Wittenberg viele andere mit der Umsetzung der Reformation befasst, so z.B. Philipp Melanchthon (1497-1560) als Theologe und Erneuerer der Bildung im evangelischen Sinne, Lucas Cranach (1472-1553) als Maler und Verleger des reformatorischen Programms, Johannes Bugenhagen (1485-1558) als erster evangelischer Pfarrer in Wittenberg sowie Justus Jonas (1493-1555), der sich darum bemühte, die Reformation in Ordnungen und Strukturen umzusetzen.
Wittenberg wurde zum Zentrum der neuen Lehre und aus ganz Europa strömten Studenten herbei, die die reformatorischen Ideen anschließend in ihren Heimatländern bekannt machten. Wittenberg ist mit der Reformation und Luther so eng verbunden, dass die Stadt seit 1938 den amtlichen Namen „Lutherstadt“ führt.
Das reformatorische Erbe der Stadt wurde von der UNESCO geschützt. Die Schlosskirche und die Stadtkirche, sowie das Lutherhaus und das Melanchthonhaus wurden auf die Liste der Welterbestätten aufgenommen.

Links

Lutherstadt Wittenberg www.wittenberg.de/
Tourist-Information www.lutherstadt-wittenberg.de
Kirche in Lutherstadt Wittenberg www.kirche-wittenberg.de
Evangelische Stadtkirche Wittenberg www.stadtkirchengemeinde-wittenberg.de
Evangelische Kirche in Mitteldeutschland www.ekmd.de
Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt www.martinluther.de