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Mit einem großen Festakt in der Heiliggeistkirche hat die Evangelische Kirche in Heidelberg am 12. Dezember 2016 mit über 300 Gästen die Eröffnung des Reformationsjubiläums gefeiert. Höhepunkt waren die Auszeichnung Heidelbergs zur „Reformationsstadt Europas“ sowie die Präsentation des Heidelberger Reformationsfilms. Bereits am Nachmittag wurde das „Geschichtenmobil“ der Evangelischen Kirchen in Deutschland, Österreich und der Schweiz von einer Delegation am Hauptbahnhof begrüßt. Es machte auf seinem „Stationenweg“ durch 67 Städte in 19 europäischen Ländern auch Halt in Heidelberg.

„Wir freuen uns sehr, dass Sie heute hier so zahlreich erschienen sind, um mit uns gemeinsam die Eröffnung unseres Reformationsjubiläums zu feiern!“ Mit diesen Worten begrüßte die evangelische Dekanin Dr. Marlene Schwöbel-Hug gemeinsam mit dem katholischen Dekan Dr. Joachim Dauer die gut 300 Gäste aus Kirche, Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger aus Heidelberg und Umgebung. „Unser Motto für dieses Jubiläum lautet `Bildung und Ökumene´. Zur Bildung gehören Werte, die uns das Christentum lehrt, seien wir evangelisch oder katholisch. Zu diesen Werten gehört es auch, dass wir allen Menschen Respekt und Achtung erweisen, unabhängig von Hautfarbe, Sprache, Religion, sozialer Stellung oder Lebensumständen. Beleidigungen von Schwachen und `Fremden´ können wir nicht dulden“, machte die Dekanin deutlich.

„In der Ökumene sind wir als Christen miteinander verbunden“, so Dekan Dauer weiter. „Wir wollen das uns Verbindende stark machen und noch näher zusammenrücken. Wir haben das große Ziel der einen Kirche Jesu Christi vor Augen. In dieser einen Kirche darf es unterschiedliche Traditionen und Frömmigkeitsstile geben.“ Beide dankten der Evangelischen Landeskirche in Baden herzlich für ihre finanzielle Unterstützung des Reformationsjahres sowie der Stadt Heidelberg, die das Reformationsjubiläum in ihrem aktuellen Haushaltsplanentwurf unterstützt. Bis April 2018 wird das Jubiläum mit über 80 Veranstaltungen mit vielen Kooperationspartnern in ganz Heidelberg gefeiert.

Landesbischof Prof. Dr. Jochen Cornelius-Bundschuh eröffnete darauf die Reihe der Grußworte aus Kirche, Stadt und Politik: „Wir wollen dieses Jahr nutzen, um über ‚Freiheit heute‘ ins Gespräch zu kommen, um den Geist der Freiheit zu stärken: In unseren Landeskirchen, mit unseren ökumenischen Geschwistern, mit politisch Verantwortlichen, mit anderen Religionen, mit Verbänden und Vereinen, mit den Menschen in unserem Land. Glaube macht frei und mutig!“

Als Vertreter der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hob Prof. Dr. Andreas Barner das Besondere des Jubiläumsjahres hervor: „Im Vergleich zu früheren Reformationsjubiläen feiern wir erstmals in großer Gemeinschaft: nicht nur national, sondern in der Gemeinschaft aller Kirchen der Reformation. Wir begehen es nicht allein protestantisch, sondern als gemeinsames Christusfest zusammen mit der katholischen Kirche“, so das Mitglied des Rates der EKD. Diese Perspektive passe gerade zur internationalen, toleranten Universitätsstadt Heidelberg sehr gut.

Pfarrer Bernd Jäger von der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) überreichte nachfolgend der Stadt Heidelberg sowie der Evangelischen Kirche die Urkunde zur Ernennung Heidelbergs zur „Reformationsstadt Europas“. Damit gehört Heidelberg nun offiziell zu einem europaweiten Netzwerk von Reformationsstädten. Oberbürgermeister Eckart Würzner, der die Urkunde für die Stadt entgegennahm, freute sich sichtlich über die Auszeichnung: „Heidelberg nimmt in der Geschichte der Reformation eine Schlüsselposition ein. Bei der Disputation seiner Thesen im April 1518 überzeugte Martin Luther hier viele Geistesgrößen der damaligen Zeit. Von Heidelberg aus trugen sie die neue Lehre weiter. Die Ernennung zur „Reformationsstadt Europas“ ist für uns Ehre und Verpflichtung zugleich. Es ist eine Ehre, in dieser Tradition zu stehen. Und es ist Verpflichtung, weiter für Toleranz und Weltoffenheit zu streiten“, so der Oberbürgermeister.

Toleranz und Weltoffenheit zeigen auch die Protagonisten im Heidelberger Filmclip zur Reformation, der an dem Abend erstmals der Öffentlichkeit vorgeführt wurde. In diesem Kurzfilm, der unter anderem im Geschichtenmobil auf seinem Stationenweg durch Europa zu sehen ist, präsentiert sich Heidelberg als eine Stadt der Impulsgeber. Eine Stadt, in der es bis heute Tradition ist, kritisch und konstruktiv Stellung zu nehmen zu aktuellen theologischen, politischen und gesellschaftlichen Fragen.

Wissenschaftsministerin Theresia Bauer schloss als Vertreterin der Landesregierung den Reigen der Grußworte mit einem Plädoyer für Bildung. „Die Reformation war von Beginn an ganz zentral eine Bildungsreform – „selber lesen“ bringt das reformatorische Bildungsideal auf den Punkt“, so die Ministerin. „Wer Baden-Württemberg und seine Menschen verstehen will, der muss vom Wirken der Reformation wissen.“

Zwischen den Grußworten sorgten Bariton Matthias Horn begleitet von Johannes Vogt an der Laute für musikalische Kurzweil mit ihrem wunderbaren Vortrag von Reformationsliedern aus Luthers Zeit. Musikalisch umrahmt wurde der Abend vom Bezirksbläserchor unter Leitung von Monika Bießecker-Ernst. Bei Schlusslied „Vom Himmel hoch“ sang die ganze Gemeinde mit und füllte das altehrwürdige Gotteshaus mit weihnachtlichem Klang aus. Im Anschluss an den offiziellen Teil lud die Evangelische Kirche zu einem geselligen Ausklang bei wärmender Suppe und Getränken ein, besonders der „Heidelberger Reformationswein“ fand regen Zuspruch bei den gutgelaunten Gästen. Und so endete der Abend in fröhlicher Runde ganz im Sinne Luthers: „Wo Glaube ist, da ist auch Lachen.“

 

Text und Foto: Karin Wilke, Evangelische Kirche in Heidelberg

Das Foto  zeigt Schuldekanin Beate Großklaus, Oberbürgermeister Eckart Würzner, Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh, Dekanin Marlene Schwöbel-Hug, Dekan Joachim Dauer, Ministerin Theresia Bauer, Pfarrer Bernd Jaeger von der GEKE und EKD Abgesandtenr Andreas Barner