Reformationsstadt Schwäbisch Hall
Deutschland
Schwäbisch Hall
Schwäbisch Hall ist heute in Deutschland vor allem als Sitz der gleichnamigen Bausparkasse bekannt. Doch die einstige Reichsstadt verdankte ihren außerordentlichen Wohlstand im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit einer Salzquelle, durch die die Stadt zu einem wichtigen Salzhandels- und Salzproduktionsort wurde. Von dieser wirtschaftlichen Blüte zeugt bis heute die mittelalterliche und frühneuzeitliche Altstadt. Bekanntheit erlangte die Stadt auch durch den sogenannten Heller (auch bekannt als Haller), eine Münze mit relativ geringem Geldwert, die gerade deshalb im süddeutschen Raum weit verbreitet war und im Mittelalter zeitweise auch direkt in der Stadt geprägt wurde.
Im Jahr 1525 berief der Rat der Reichsstadt Johannes Brenz (1499–1570) zum Prediger an der Kirche St. Michael. In den folgenden rund zwei Jahrzehnten prägte er die Einführung der Reformation in Schwäbisch Hall. Schon als Student hatte Brenz 1518 Martin Luther bei der Heidelberger Disputation kennengelernt und war spätestens zu diesem Zeitpunkt von der neuen Lehre überzeugt.
Gemeinsam mit dem Rat setzte sich Brenz für die Einführung der Lehre Luthers in der Stadt ein und sprach sich etwa für Milde gegenüber den Bauern im sogenannten Bauernkrieg von 1525 aus. Wie in anderen Territorien auch, wurde unter der Führung von Brenz auch in Schwäbisch Hall das Schul- und Armenwesen reformiert. Gemäß dem Verständnis einer „Priesterschaft aller Gläubigen“, das Luther propagierte, sollten auch Kinder aus ärmeren Ständen zumindest eine grundlegende Bildung erhalten. Unterstützt wurde dieses Vorhaben durch drei Katechismen, die Brenz verfasste und die insgesamt in mehr als fünfhundert Ausgaben erschienen. Mit der ersten Feier des Abendmahls in beiderlei Gestalt im Jahr 1526 sowie mit einer neuen Kirchenordnung von 1527 wurde die Reformation in Schwäbisch Hall faktisch vollzogen.
Auch über die Schwäbisch Haller Stadtgrenzen hinaus half Brenz bei der Verbreitung der Lehre Martin Luthers. Er wirkte als Gutachter und Ratgeber im Reich und nahm an zahlreichen Religionsgesprächen teil, so auch in Marburg 1529. Als Brenz infolge der evangelischen Niederlage im Schmalkaldischen Krieg 1548 aus Schwäbisch Hall fliehen musste, wurde er von Herzog Christoph mit der Neuordnung der Kirchenorganisation im evangelischen Herzogtum Württemberg betraut. Bis zu seinem Tod 1570 wirkte Brenz vorrangig im Herzogtum Württemberg. Sein Werk, das er in Schwäbisch Hall begonnen hatte, bestand in der nunmehr evangelischen Reichsstadt dauerhaft fort.
An Johannes Brenz erinnert heute in Schwäbisch Hall unter anderem das Brenz-Haus mit einer Büste des Reformators. Die St. Michaelskirche, an der Brenz wirkte, ist mittlerweile Europäisches Kulturerbe. Über eine einzigartige Sammlung reformatorischer Dokumente verfügt das Stadt- und Hospitalarchiv am Marktplatz. In der Johanniterkirche, die Teile der Kunstsammlung Würth präsentiert, befindet sich neben der bekannten „Madonna des Bürgermeisters Meyer“, der Darstellung einer Schutzmantelmadonna von Hans Holbein d. J. (1526) auch Gemälde des Lutheranhängers Lucas Cranach d. Ä. sowie weitere Kunstwerke der oberdeutschen Reformation. Auch Liebhaber moderner Kunst kommen in der Kunsthalle Würth auf ihre Kosten. Die Salzquelle in Schwäbisch Hall dient heute nicht mehr der Salzgewinnung; sie speist ein beliebtes Solebad.
Schwäbisch Hall ist im Bezug auf die Reformation gerade für Württemberg eine bedeutende historische Stätte, denn von hier breitete sich die Bewegung im 16. Jahrhundert über die Region aus und mit dem Reformator Johannes Brenz wirkte und arbeitete eine der wichtigsten Persönlichkeiten dieser Zeit in Schwäbisch Hall.
Links
Stadt Schwäbisch Hall: https://www.schwaebischhall.de/
Stadtarchiv:
https://www.schwaebischhall.de/de/bildung-betreuung/stadt-und-hospitalarchiv/unser-angebot-fuer-sie
Evangelischer Kirchenbezirk Schwäbisch Hall: https://www.schwaebischhall-evangelisch.de/
Evangelische Landeskirche in Württemberg: https://www.elk-wue.de/

